Honorarberater mit dem falschen Paragraphen

Berater Top News von Holger Scheve

Feste Prinzipien

"Es ist bei einigen immer noch nicht angekommen, dass die fachgerechte, qualitativ umfassend und seriös angelegte Kundenberatung nichts mit dem Vergütungsmodell zu tun hat. Der Anspruch der kundengerechten Beratung basiert vordringlich auf selbstgesetzten ethischen und moralischen Wertvorstellungen", argumentiert der überzeugte 34f-ler Michael Deising. Ganz genauso sehe ich das auch. Die gesetzlich geschaffenen Rahmenbedingungen sind nicht hilfreich. Steuerlich ist die "Honorarberatung" erheblich benachteiligt (Umsatzsteuer auf Honorare muss erhoben werden) und begrifflich mit diesen Wortungetümen veralbert worden. Den für eingefleischte Honorarberater so typischen Idealismus zeigt der geschätzte Kollege Stefan Adam: "Die explizite Nachfrage nach 34h-Beratung kann ich nicht erkennen. Kein Mandant kennt die unterschiedlichen Zulassungsmodelle. Fazit: Für mich macht es derzeit ökonomisch wenig Sinn. Ich überlege dennoch ab 2016 zu migrieren, um dem Modell der Honorarberatung mehr Schlagkraft zu geben."

Praxisgerechte Umsetzung

Matthias Krapp, unabhängiger Finanzberater, stellt seine Position dar: "Wir haben uns bewusst für den 34f entschieden, da es uns neben unserer Kompetenz, Unabhängigkeit und Transparenz am wichtigsten ist, eine honorarbasierte Beratung und Abrechnung anzubieten, die für unsere Mandanten die beste und günstigste Option darstellt!" Kritiker mögen einwenden, dass genau das auch mit der §34h GewO geht, aber letztendlich fehlt die wirkliche Flexibilität in der praxisgerechten Beratung. "Der Gesetzgeber ist sehr unklar und widersprüchlich. Solange mir der 34h keine nennenswerten Vorteile im Marketing verschafft, bleibe ich beim 34f", stellt Finanzberater Mathias Böttcher klar. Und sein Kollege Marc Keizl bringt es auf den Punkt: "Wer versteht das Wortungetüm „Honorar-Finanzanlagenberater“? Wer kann es unterscheiden zu „Honorar-Anlageberater“ und zu jeglichem anderen Begriff? Ist DAS wirklich wichtig für die Kunden? Wir denken, dass die Politik sich selbst ein Denkmal setzen wollte („Wir haben was getan!“) – dies aber nicht voll im Kundeninteresse umgesetzt hat."

Mein persönliches Fazit

Mir persönlich ist die absolute Transparenz sehr wichtig. Auch die unabhängige Aufklärung über viele Facetten finanzieller Themen, wie in unserer Initiative Finanzkund.de gemeinsam praktiziert, ist mir ein wirkliches Anliegen. Bis diese ganzen gesetzgeberischen Ungereimtheiten geregelt sind (die EU kommt mit dem unabhängigen Finanzberater), bleibe ich voll überzeugter und praktizierender Honorarberater, allerdings mit dem „falschen“ Paragraphen.

Der aufgeklärte Verbraucher auf Augenhöhe ist unser erklärtes Ziel. Nur so kann die Anzahl der Fehlberatungen reduziert werden und Vertrauen in die Finanzberatung zurückkehren. Praktizierte Transparenz und Unabhängigkeit ist vorrangig, der Paragraph ist zweitrangig.

Autor:
Holger Scheve
Jahrgang 1970, Diplom-Volkswirt, 2 Kinder, Inhaber Holger Scheve Finanzplanung, Fairness, Transparenz und die offene Kommunikation stehen bei uns an erster Stelle. Im Geldanlagenbereich Finanzanlagenvermittler, Erlaubnis nach §34f GewO, darüber hinaus auch Zulassungen nach §34c und d GewO.

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