VW-Skandal: Milliarden-Forderung auch im Inland?

Sachwerte Top News von Michael Fiedler

Kurssturz bei VW: Die Aktien des Konzerns fielen am Montag Vormittag zeitweise um 22 Prozent. Börsen-Experten gehen von einer Minderung des Börsenwerts um etwa 16 Mrd. Euro aus. Grund für den Absturz: Das Unternehmen räumte ein, die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben.

Hat keine Probleme mit Abgasuntersuchungen: Das Modell eines VW-Beetle Bild: Fotolia/casfotoarda

Nach Einschätzung des auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierten Rechtsanwalts Dietmar Kälberer könnten die Abgas-Manipulationen auch Klagen von Aktionären nach sich ziehen. "Das Thema VW und unterlassene Ad hoc-Mitteilung ist auch nach deutschem Recht extrem brisant", erklärt Kälberer, Partner der Berliner Kanzlei Kälberer & Tittel.

Im § 15 WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) sei geregelt, dass ein Unternehmen Insider-Informationen unverzüglich veröffentlichen muss. "Macht das Unternehmen dies nicht, ist es nach deutschem Recht zu Schadensersatz verpflichtet", so Kälberer.

Das spannendste Thema dabei sei der Zeitpunkt, an dem die Veröffentlichung zu erfolgen hatte. Ist dies der Zeitpunkt der ersten Abgas-Manipulation, der ersten Ermittlungen oder erst des Eingeständnisses? "Ich bin der Überzeugung, dass die Veröffentlichung spätestens mit der ersten systematischen Manipulation zu erfolgen hat. Je länger dies zurückliegt, umso problematischer dürfte dies für VW werden. Gemäß § 37 b WpHG könnten sich nämlich die Aktionäre, die Aktien nach der zu veröffentlichenden Tatsache gekauft haben, an der Gesellschaft selbst schadlos halten."

"Wenn diese Abgas-Manipulationen schon über Jahre praktiziert wurden, könnte auf VW auch im Inland eine Milliarden-Forderung zukommen", so Kälberer. Dieses Problem kann VW damit wahrscheinlich nicht nur in den USA, sondern dank des Kapitalanleger-Musterverfahrens auch in Deutschland teuer zu stehen kommen.

Kapitalanleger-Musterverfahren – Deckelung der Prozesskosten in Deutschland

"Kamen große Konzerne bisher in Deutschland bei derartigen Problemen glimpflich weg, dürfte sich dies ändern. In Verbindung mit dem Kapitalanleger-Musterverfahren kann man nämlich zwischenzeitlich in Deutschland Milliardenschäden mit einem Kostenrisiko von nur wenigen Millionen Euro einklagen. Das ist international gesehen konkurrenzlos günstig", so Kälberer.

"Auf VW kommen deshalb gerade auch in Deutschland wahrscheinlich wirklich große Probleme zu, da sich nun wahrscheinlich auch internationale institutionelle Anleger nach deutschem Recht schadlos halten werden", ergänzte Kälberer hinsichtlich der möglichen kapitalmarktrechtlichen Folgen.