Wie Kassenpatienten Privatstatus sichern

Versicherungen von Stefan Terliesner

Obwohl die Kostenerstattung in der GKV bereits vor zehn Jahren eingeführt wurde, ist das Verfahren den meisten Menschen noch völlig unbekannt. Dabei hat sie durchaus ihren Reiz. Mit ihr werden Kassenpatienten zu Privatpatienten.

Neben der Kostenübernahme bekommt der gesetzlich Versicherte auch einen Eindruck der „privaten“ Welt. Sind die Wartezeiten beim Arzt wirklich kürzer? Ist die Behandlung tatsächlich besser?

Gefällt dem Kassenpatienten seine neue Rolle, kann er dauerhaft die Kostenerstattung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nutzen. Ohne Tücken ist das Verfahren aber nicht.

Fachwissen notwendig
Emanuel Issagholian, Leiter Produktmarketing bei der Gothaer Kranken: „Das Thema erfordert Fachwissen vom Makler.“ Vor allem sollte dieser seine Kunden vor unliebsamen Überraschungen bewahren. Denn die Krankenkasse übernimmt im Rahmen der Kostenerstattung nur einen Teil der tatsächlich entstandenen Kosten. Den Rest muss der Versicherte aus eigener Tasche bezahlen.

„Daher sollte auf jeden Fall eine Restkostenversicherung angeboten werden“, betont Issagholian. Nur wenige Makler beherrschen das Thema, zudem spielen Kostenerstattungstarife bei den meisten Versicherern nur eine nachrangige Rolle. Einer, der das Thema beherrscht und Erfahrungen mit Anbietern schildern kann, ist Hagen Engelhard von Medi-Kost: „Die besten Tarife bieten derzeit die Arag mit dem Kostenerstattungstarif 181-183, die Würt-tembergische mit dem AGU/AKU oder die DKV. Das sind mit dem Barmenia-AK+ zurzeit die Marktführer.“

Ferner kooperiert die Huk-Coburg mit der Barmer GEK. Die Krankenkasse erstattet zum Beispiel für den Bereich der ärztlichen Behandlung pauschal 25 Prozent des Rechnungsbetrags, so ein Sprecher. Vom Gesamterstattungsbetrag werde noch ein Verwaltungskostenabschlag von 5 Prozent abgezogen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Barmer eine zusätzliche Absicherung – entweder eine Beihilfe des Dienstherrn oder eine private Zusatzversicherung. Auch die DKV setzt hier mit einer Zusatzpolice für den ambulanten Bereich an. Der Tarif KAMP übernimmt die Restkosten nach Abzug der Kassenerstattung.

Nur im ambulanten Bereich sinnvoll
Seit 2010 können Versicherte das Kostenerstattungsverfahren auch auf einzelne Versorgungsbereiche begrenzen, also auf ambulante, stationäre oder zahnärztliche Behandlungen oder nur auf Arzneimittel. „Wirklich sinnvoll ist eine Kostenerstattung nur im ambulanten Bereich und im Bereich der veranlassten Leistungen (Heilmittel, Hilfsmittel, Medikamente und so weiter)“, erklärt Engelhard. Hier führe das Verfahren direkt zu einer Privatbehandlung.

Im Krankenhaus habe Kostenerstattung keinen Sinn, da die Leistungserbringer allgemeine Krankenhausleistungen immer mit den Kassen direkt abrechnen. „Eine Abrechnung mit dem Patienten ergibt hier keinen Behandlungsvorteil“, so der Experte.

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Illustration: Roman Kulon

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