Kommt die Europa-Rente?

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Wie könnte eine „Europa-Rente“ aussehen? Darüber debattieren heute Vertreter der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA ) in Frankfurt am Main.

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Die Europäische Kommission plant die Einführung einer Pan-European Personal Pension (PEPP), um die private Altersvorsorge in ganz Europa zu verbessern. Denn, während heute in der EU fünf Arbeitnehmer auf einen Pensionär kommen, wird das Verhältnis im Jahr 2060 nur noch zwei zu eins betragen.

Rentenniveau sinkt

Laut „Ageing Report 2015“ (PDF, englisch) der Europäischen Kommission wird das Rentenniveau in ganz Europa in den nächsten Jahrzehnten sinken: von heute 46,5 Prozent des durchschnittlichen Einkommens auf 38,4 Prozent im Jahr 2060. Besonders deutlich wird der Rückgang zum Beispiel in Frankreich, Italien und vielen osteuropäischen Staaten sein.

Merkmale der Europa-Rente

Mit der Europa-Rente soll ein ein privates Altersvorsorgeprodukt geschaffen werden, das europaweit angeboten werden kann. Die bestehenden nationalen Lösungen sollen nicht ersetzt werden.

Nach den Vorstellungen der EIOPA sollte jede Lösung, die als „Europa-Rente“ angeboten werden könnte, folgende Merkmale aufweise

  • Zusätzliches Einkommen nach dem Ende des Erwerbslebens wird generiert
  • Die Auszahlung des angesparten Kapitals soll nicht – oder nur mit finanziellen Nachteilen – vor Beginn des Ruhestandes möglich sein.
  • Grundsätzlich sollen die Produkte langfristige Anlagestrategien verfolgen und die Unbeständigkeit der Finanzmärkte berücksichtigen.

 

 

Altersvorsorge mit wenig Beratungsaufwand

Nach den Vorstellungen der Aufseher soll es sich bei der Europa-Rente um Produkte handeln, die keinen „keinen oder einen möglichst geringen Beratungsaufwand erfordern.“

Vertriebsweg Internet

Um den Verkauf der Europa-Rente grenzüberschreitend sicherzustellen, soll nach den Vorstellungen der EIOPA ein „Produktpass“ eingeführt werden: Wurde ein Produkt nach den gemeinsamen Regeln in einem Mitgliedsstaat zugelassen, soll es auch in den anderen Mitgliedsstaaten verkauft werden können. Nicht zuletzt deshalb setzen die Aufseher verstärkt auf den Vertriebsweg Internet.

Für Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, ist die „Europa-Rente“ ein spannendes Projekt. „Wenn es gelingt, ein Vorsorge-Produkt zu schaffen, das die Anforderungen an eine gute Altersvorsorge auf einen gemeinsamen europäischen Nenner bringt – das wäre ein schöner Sprung nach vorne“, sagt er. „Entscheidend ist aber natürlich, dass das Ergebnis ein echtes Altersvorsorgeprodukt ist – die Menschen also am Ende eine lebenslange und stabile Rentenleistung erhalten.“