finanzkun.de: Ein Banker wird zum Kämpfer für mehr Finanzwissen

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Während der vergangenen Jahrzehnte in der Beratung im Finanzdienstleistungsbereich wuchs die Erkenntnis, das Transparenz und Unabhängigkeit unerlässlich sind. Letztere beinhaltet vor allem auch die faire und unbeeinflusste Aufklärung des Beratung Suchenden. Dafür ist aber ein gewisses Maß an Finanzbildung unabdingbar. Daran krankt Deutschland ganz erheblich. Mit großem Engagement will ein Kollegennetzwerk aus 50 unabhängigen Finanzberatern ihren Teil zur praxisnahen Finanzbildung beitragen. Federführend hierbei ist der in Hamburg tätige Honorarberater Frank Frommholz, der seine persönliche Entwicklung bis zu diesem Erkenntnisstand erläutert.

Während der Zeit in einer Großbank habe ich das kaum vorhandene Finanzwissen bei den Kunden nicht negativ wahrgenommen. Schließlich war ich die Bank und hatte das gewünschte Produkt, das es nur noch zu erklären galt. Als Banker wusste man damals eben (vermeintlich) was für den Kunden gut ist. Ein Gefühl der arroganten Überlegenheit ließ im vorletzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts gar keine Gedanken an wirklich unabhängiger Beratung aufkommen. Den Kunden detailliert aufzuklären oder gar in Finanzfragen weiterzubilden, war schlicht nicht vorgesehen.

Kritische Verbraucher gab es kaum

Das folgende Jahrzehnt in einer mittelgroßen Vermögensverwaltung waren die Jahre der großartigen Zuwächse an der Börse. Erklärungen waren fast unnötig. Alles lief (267% Zuwachs im DAX). Auch Kritik unterblieb dadurch weitgehend. Für die Erkenntnis, dass auf Verbraucherseite so gut wie kein Finanzwissen vorhanden war, ein verschenktes Jahrzehnt.

Ab der Jahrtausendwende wurde es holpriger. Die Börsen traten unter großen Schwankungen auf der Stelle und ein neues Medium betrat die Wahrnehmung: Das Internet. Mit einem Mal wurden die Kunden kritischer und verlangten detaillierte Erklärungen. Das war völlig ungewohnt und offen gesagt ziemlich lästig. Es führte aber auch dazu, dass engagierte Berater ihre Rolle endlich vertieft hinterfragten. Waren die Denkmuster, die Geschäftsmodelle, die Art der Kommunikation mit den Kunden eigentlich richtig? Selbstreflektierenden Beratern wurde immer deutlicher, dass in der Vergangenheit nicht alle Details der Produkte und Märkte vernünftig erklärt wurden und dass der Kundenärger häufig berechtigt war.

Aufklärung macht gleichberechtigte Partner

Erst in dieser Phase habe ich erkannt, welche Bedeutung das Wort Unabhängigkeit wirklich hat. Keine eigenen Abhängigkeiten zu haben ist selbsterklärend. Es gehört aber auch die Einsicht dazu, dass eine faire und unbeeinflusste Aufklärung des Gegenübers wichtig ist. Endlich wurde der Mandant als gleichberechtigter Partner in einem Dienstleistungsverhältnis wirklich akzeptiert. Seit dieser Zeit haben wir auf eine honorarbasierte Abrechnungsform umgestellt und der Kunde wurde zum Mandant. Transparenz, Offenheit und Fairness wurden täglich gelebte Grundfesten in unserem Unternehmen.

Das Finanzwissen im eigenen Mandantenkreis immer weiter auszubauen ist eine langfristige Aufgabe. Es gehören lange Gespräche, regelmäßige Mandantenbriefe, und sehr, sehr viel Geduld dazu. Anfangs haben wir immer wieder die ökonomische Sinnhaftigkeit hinterfragt. Zwischenzeitlich rechtfertigen die hohe gegenseitige Zufriedenheit und die daraus entstehenden Empfehlungen die seinerzeitige  Richtungsänderung vollständig. Wohltuend nun auch, die Kinder der Mandanten schon in frühen Jahren im Sinne der Weiterentwicklung des finanziellen Verständnisses, empfohlen zu bekommen.

Jeder siebte Schüler hat ein mangelhaftes Finanzwissen

Nun war der nächste Schritt notwendig: Es galt, die reale Finanzwelt um uns herum zu entdecken. "Jeder siebte Schüler hat ein mangelhaftes Finanzwissen" (OECD, PISA Studie 2014). "In Deutschland geben mit 53% europaweit die meisten Menschen zu, keine Finanzbildung zu haben" (Studie ING/DiBa, Black Rock Inc.). In 2012 haben wir uns daher entschlossen, unseren Teil zur Verbesserung des allgemeinen, praktischen Finanzwissens beizutragen und haben ein Kollegennetzwerk gegründet. Aus der täglichen Beratungspraxis heraus wurden den Verbrauchern werthaltige Artikel präsentiert. Unter www.finanzkun.de ist nun die optisch und technisch überarbeitete Version freigeschaltet worden. Ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen finanziert und somit völlig werbefrei und unabhängig.

Jeder kann dazu beitragen

Die  Arroganz und Selbstgefälligkeit eines ehemaligen Bankers ist im Laufe der Zeit der Demut gewichen, in kleinen Schritten das am Boden liegende Finanzwissen in Deutschland zu verbessern. Dazu gehört Idealismus und viel, viel Geduld. Aber nur durch unabhängige, vertrauensbildende Finanzinformationen kann das Image der Branche beim ratsuchenden Verbraucher wirklich verbessert werden. Nicht durch Diskussionen über Abrechnungsformen oder behördliche Eingriffe. Wir alle müssen endlich wieder den Mandanten ernst nehmen und ihn als Geschäftspartner auf Augenhöhe akzeptieren.