BWF: Gold und American Football

Sachwerte von Robert Krüger Kassissa

Vermittleranwalt Daniel Blazek berichtet im Interview über die Gläubigerversammlung im BWF-Skandal, von welcher „Black Box“ auszugehen ist und was das alles mit American Football zu tun hat.

Foto: Daniel Blazek, BEMK Rechtsanwälte

procontra: Können Sie die wesentlichen Ergebnisse der Gläubigerversammlung am 4. September mal skizzieren?

Daniel Blazek: Der Insolvenzverwalter stellte zunächst die persönlichen und wirtschaftlichen Verflechtungen des Bund deutscher Treuhandstiftungen dar. Dieser war Träger der BWF-Stiftung. Er gab an, dass etwa 55 Mio. Euro an Anlegergeldern eingenommen wurden. Davon sollen 34 Mio. Euro an die TMS Dienstleistungsgesellschaft geflossen und davon wiederum nur zum Teil Gold gekauft worden sein. Letztlich wurden 324 Kilogramm Gold beschlagnahmt.

procontra: Gehört dieses Gold den Anlegern?

Blazek: Nach derzeitiger Auffassung des Verwalters nicht. Ein entsprechendes Gutachten ist beauftragt. Er schlägt vor, dies zur Vermeidung vieler Prozesse abzuwarten. Grund hierfür ist, dass das sachenrechtliche Erfordernis der Bestimmtheit zum Eigentumserwerb aufgrund der konzeptionellen Gestaltung nicht eingehalten wurde. Es ist noch nicht einmal klar, ob das Gold dem BDT oder der ebenfalls insolventen TMS gehört. Hier werden sich die Verwalter möglicherweise einigen müssen.

procontra: Was ist denn mit den Anlegergeldern geschehen?

Blazek: Das ist aus meiner Sicht die entscheidende Frage. Der Insolvenzverwalter wird noch Jahre benötigen, um dies nachzuvollziehen. Ich habe ihn gefragt, ob nicht derzeit von einer Blackbox bis zu 50 Mio. Euro ausgegangen werden müsste. Das ist vielleicht etwas hoch gegriffen, könne aber durchaus sein. Das LKA und er arbeiten an einer Aufklärung. Ich bin sicher, dass dies gelingen wird.

procontra: Geht der Insolvenzverwalter von kriminellen Machenschaften aus?

Blazek: Ich meine, das wurde deutlich. Er sprach übrigens auch davon, dass viele BWF-Vermittler getäuscht wurden. Es gäbe gute und böse Vermittler. Die bösen standen den Initiatoren nahe und haben unüblich hohe Provisionen erhalten, die der Verwalter zurückfordern dürfte.

procontra: Wissen Sie, welche Personen verhaftet wurden?

Blazek: Das gab der Insolvenzverwalter ebenfalls an, ich möchte die Namen aber hier nicht ausschreiben. Sie ergeben sich aus dem Bericht des Verwalters im nicht-öffentlichen Informationssystem. Es handelt sich um Herrn S., Herrn O., Herrn B. und Frau M.-S..

procontra: Wurde eine Insolvenzquote für die Anleger in Aussicht gestellt?

Blazek: Nein, dafür war es noch zu früh. Der Insolvenzverwalter prüft nun Ansprüche bzw. Forderungen zur Masse gegen alle erdenklichen Personen und Gesellschaften.

procontra: Was hat es mit diesem Kölner American Football Verein auf sich?

Blazek: Der BDT e.V. war nicht nur Träger der BWF-Stiftung oder mit dieser verbunden, sondern auch mit anderen Stiftungen und Unternehmen. Geld soll auch nach dort investiert worden sein, wohl als Sponsoring. Herr O. soll Beziehungen zu dem Verein gehabt haben.

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