Angriff der Anlageroboter

Berater von Stefan Terliesner

Algorithmen durchforsten die weltweite Datenwolke und kennen die Bedürfnisse und Ziele von Geldanlegern schon bald besser als der Berater aus Fleisch und Blut. „Deren Schonfrist ist vorbei.“

Foto: © jim/Fotolia

Fintechs sind auf dem Vormarsch. Immer häufiger wetteifern junge IT-Unternehmen mit etablierten Banken in deren Kerngeschäftsfeldern. Derzeit besonders beliebt sind die Bereiche Zahlungsverkehr und Kleinkredite. Und jetzt steht der Großangriff im Bereich Geldanlage und Finanzberatung bevor.

Automatisierte Lösungen auf dem Vormarsch

Unternehmen wie Betterment und Weathfront in den USA oder neuerdings Vaamo und Cashboard in Deutschland bieten automatisierte Lösungen für die Geldanlage an. Christian Rieck, Finanzprofessor an der Frankfurt University of Applied Sciences, ist überzeugt: Die Strukturierung eines Depots ist „wie geschaffen für Roboter“. Dabei definiert er Roboter als eine künstliche Intelligenz, die aus der Fülle an öffentlich zugänglichen Finanzinformationen ein optimales Portfolio schneidert. Vor allem die sozialen Medien würden eine neuartige Form der Informationsbeschaffung ermöglichen. Dadurch würden die klassischen Finanzintermediäre ihrer Monopolstellung beraubt.

Roboter als Finanzplaner

Bereits heute werde dem Selbstentscheider in Finanzfragen ein „Robo-Advisor“ zur Seite gestellt, der mit Hilfe von Algorithmen die Big-Data-Wolke durchforstet und letztlich einzigartige Produkte kreiert. Wie Rieck auf der 1. Konferenz für Finanztechnologie des Bankmagazin sowie des Center for Financial Studies an der Goethe Universität zu Frankfurt am Main, in seinem Vortrag ausführte, sieht er mittelfristig die technologiebetriebenen Unternehmen auch beim Thema Finanzplanung vorne.

„Der Berater muss die Kunden noch nach seinen Zielen und Bedürfnissen fragen, Google weiß es schon.“ Bereits heute würden Anlageroboter in der Portfolio-Beratung schon vernünftige Ergebnisse erzielen. „Die Schonfrist für die Finanzbranche“ ist nun vorbei, betont Rieck, dessen Buch „Können Roboter mit Geld umgehen?“ soeben erschienen ist. Die Zunahme der Roboterberatung dürfte viele Berater aus Fleisch und Blut zur Aufgabe ihres Geschäfts zwingen, ist der Finanzprofessor überzeugt.

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