„Zinszusatzreserve trennt die Spreu vom Weizen“

Versicherungen von Matthias Hundt


Einmalbeitragsgeschäft vorrangig im bAV-Bereich
procontra: Das Einmalbeitragsgeschäft spielt bei den meisten Lebensversicherern eine zunehmende Rolle. Welche Bedeutung hat dies im aktuellen Niedrigzinsumfeld?

Hergesell: Mit dem aktuellen Niveau wird es immer schwieriger, Einmalbeiträge attraktiv anzulegen. Einige Gesellschaften haben sich daher auch schon aus dem Geschäft zurückgezogen. Unser Einmalbeitragsgeschäft stammt vorrangig aus dem bAV-Bereich in Form von Ausfinanzierungen von Versorgungszusagen in den Betrieben. Einmalbeiträge gegen kurzfristige Renten bieten wir hingegen nicht an und halten sie mittlerweile für eine Risikostrategie, da sie im jetzigen Niedrigzinsumfeld kaum noch zu finanzieren sind.

procontra: Rechnen Sie auch für 2015 damit, dass vor allem Einmalbeiträge für ein positives Gesamtergebnis im Neuzugang sorgen?

Henzler: Für den Gesamtmarkt mag das zutreffen. Für unser Unternehmen rechne ich damit, dass wir sowohl gegen laufenden als auch einmaligen Beitrag zulegen werden.

procontra: Was macht Sie da so optimistisch?

Henzler: In dem Moment, wo sich immer mehr Gesellschaften aus dem Garantiegeschäft zurückziehen, werden Marktanteile frei. Und umso mehr suchen Makler nach Alternativen. Auf dieser Suche werden sie Ausschau nach den kapitalstarken Gesellschaften halten.

procontra: Dieses Kapital müssen Lebensversicherer auch vermehrt für die Zinszusatzreserve bereitstellen. Wie belastend ist dies für Ihr Unternehmen?

Henzler: Die Zinszusatzreserve ist eine große Herausforderung und wird mit dafür sorgen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Und mit Blick auf unsere Kapitalausstattung sehen wir uns gut aufgestellt, wenngleich die bereitzustellende Reserve weiter anwachsen wird.

procontra: Ihr Unternehmen hielt auch 2014 die 5-Prozent-Marke bei der Nettoverzinsung, wenngleich das Kapitalanlageergebnis immer mehr durch die Realisierung von Bewertungsreserven gewährleistet wird. Wie wichtig ist diese Möglichkeit?

Hergesell: Entscheidend hierbei ist, dass wir auch in guten Zeiten relativ zurückhaltend waren, was sich jetzt auszahlt. Zudem haben wir uns für eine langfristige Anlage entschieden, was sich ebenfalls in den Erträgen widerspiegelt. Gesellschaften, die eher auf das kurzfristige Anlagepferd gesetzt haben, befinden sich heute in der Zinsfalle, da sie ihre Kapitalanlagen zu den aktuellen Konditionen anlegen müssen.

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