Infrastruktur bietet Chancen für alle Versicherer

Investmentfonds von Christian Hilmes

Bald könnten es auch kleine und mittelgroße Versicherer den Branchenriesen der Assekuranz gleichtun und ihr Geld in renditestarke Infrastrukturprojekte anlegen. Möglich machen das veränderte Regelungen zur Eigenkapitalunterlegung der Investments.

Foto: Baustelle an der Autobahn A8, © Wolfisch

„Es gibt substantielle Neuerungen, von denen vor allem kleine und mittelgroße Versicherer profitieren dürften“, erklärt Aaron Konrad, Analyst für Alternative Investmentfonds bei Scope Ratings. Kern der neuen Regelung, welche die Rahmenbedingungen für Investments der Assekuranzen wesentlich verbessern würde: Ursprünglich sollten Assekuranzen zwar verpflichtet werden, bis zu 59 Prozent ihrer Investments in Infrastrukturprojekte mit Eigenkapital zu unterlegen.

Nun aber hat die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA der EU-Kommission empfohlen, diese Quote auf 30 bis 39 Prozent zu reduzieren. Das würde vor allem kleinen und mittelgroßen Versicherungen und Pensionskassen helfen. Denn die großen Versicherer betreiben ohnehin eigene Risikomodelle zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung und müssen deshalb deutlich weniger Eigenmittel als andere Versicherer für Investments in die noch junge Assetklasse vorhalten.

Harter Wettkampf der Investoren
Bislang kommen bei Investitionen in Straßen, Energienetze, Kraftwerke und Krankenhäuser vor allem die großen Versicherungskonzerne zum Zug. Denn sie haben bereits große Erfahrung mit der Finanzierung von Infrastrukturprojekten gesammelt. So hat zum Beispiel die Allianz gemeinsam mit anderen Großinvestoren den Zuschlag für die Finanzierung des neuen Londoner Abwassersystems mit einem Volumen von umgerechnet knapp 6 Milliarden Euro bekommen.

Während sich der deutsche Marktführer aus München bei dem Bieterwettkampf in der britischen Hauptstadt gegen andere Interessenten durchsetzen konnte, investieren kleinere Versicherer bislang vor allem über Fonds in Infrastrukturprojekte. Denn sie verfügen häufig nicht über die erforderliche Fachexpertise und Stärke für solche Direktinvestitionen. So oder so gilt aber: Die Nachfrage der Versicherer nach Infrastrukturinvestments stößt langfristig auf großen Bedarf.

Eine Billion Euro Investitionsbedarf
Laut EU-Kommission beträgt der europaweite Investitionsbedarf bis 2018 rund eine Billion Euro. Die EU will mit dem sogenannten Juncker-Fonds nun zumindest Investitionen in Infrastrukturprojekte mit einem Volumen von 315 Milliarden Euro anschieben. „Der Kapitalbedarf dieser Projekte geht weit über die bereitgestellten Fördergelder hinaus“, kommentiert Scope-Analyst Konrad. Die öffentliche Hand könne das notwendige Volumen unmöglich alleine stemmen.

Daher würden sich nun auch für mittelständische Versicherer Chancen ergeben, sich an solchen Investments zu beteiligen. Doch dafür gilt es zunächst, Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen: Derzeit ist die Nachfrage nach Infrastrukturinvestments deutlich höher als das Angebot. Unter den Institutionellen sind vor allem Versicherer und Pensionskassen auf der Suche nach renditestarken Anlagen, die regelmäßige Erträge zum Beispiel aus Gebühren und Nutzungsentgelten abwerfen.  

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