Solvency II: „Versicherer müssen sich anstrengen“

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

GDV-Präsident Alexander Erdland ruft die deutschen Lebensversicherer dazu auf, „den Herausforderungen einer lang andauernden Niedrigzinsphase Rechnung zu tragen“. Dazu seien weitere Anstrengungen nötig, um höhere Reserven zu bilden.

Foto: Alexander Erdland, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Erdlands Einschätzung teilt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Behörde mit Dienstsitzen in Bonn und Frankfurt hat jetzt ihre aktuellen Abfrageergebnisse für die zweite „Vollerhebung Leben“ unter allen von ihr beaufsichtigten Anbietern von Lebensversicherungen (LV) hierzulande veröffentlicht.

Demnach könnte es die deutsche LV-Branche trotz deutlich gesunkener Zinsen schaffen, die Umstellung auf die Kapitalanforderungen unter dem ab 2016 geltenden europäischen Aufsichtsregime zu bewältigen. Konkret gefragt hatte die BaFin, wie die Eigenmittelsituation der Versicherer unter Solvency-II-Bedingungen zum Stichtag 31. Dezember 2014 aussähe.

Ergebnis der ersten Umfrage bestätigt
In dem zweiten Durchlauf habe sich nach BaFin-Angaben ein wesentliches Ergebnis der ersten branchenweiten Datenabfrage im vorigen Jahr erwartungsgemäß bestätigt: „Die Übergangsmaßnahmen und die Volatilitätsanpassung, die Solvency II vorsieht, entfalten die gewünschte Wirkung“, zieht die Aufsichtsbehörde als Fazit.

Denn nahezu alle Lebensversicherer erfüllten die Vorgaben, heißt es von der BaFin weiter. „Die Zahl der Unternehmen, die keine ausreichenden Eigenmittel vorweisen konnten, hat sich im Vergleich zur ersten Vollerhebung nicht erhöht.“ Mit diesen nicht näher genannten Problemkandidaten stehe die Behörde „in engem Kontakt“.

16 Jahre dauernde Übergangsphase
Ebenso wie GDV-Präsident Erdland weist BaFin-Präsident Felix Hufeld darauf hin, dass die Übergangsmaßnahmen innerhalb der 16-jährigen Übergangsphase aber sukzessive auslaufen: „Die Unternehmen werden sich also sehr anstrengen müssen, um ihre Kapitalbasis zu stärken, auch wenn die Zinsen seit Ende 2014 leicht gestiegen sind.“

Das Problem verdeutlicht die erneute Vollerhebung: Wenn sie die Übergangsmaßnahmen nicht anwendeten, lägen die Eigenmittel zum Stichtag 31. Dezember 2014 bei fast der Hälfte aller befragten Unternehmen unter den künftigen Anforderungen. In der Summe ergäbe sich für diese Unternehmen eine Eigenmittellücke von etwa 12 Milliarden Euro.  

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