Zinszusatzreserve wird deutlich steigen

Versicherungen von Stefan Terliesner

Die Rückstellungen der Lebensversicherer zur Absicherung der Garantien steigen immer schneller, warnt LV-Analyst Rainer Will (Foto). Hält das Zinstief an, erreicht der Puffer in zehn Jahren branchenweit ein Niveau von 150 Milliarden Euro.

Deutsche Lebensversicherer müssen in diesem Jahr ihren Zinszusatzreserven voraussichtlich insgesamt 12 bis 14 Milliarden Euro zuführen. Diese Schätzung nannte die Kölner Ratingagentur Assekurata in einer Pressemitteilung. Der Wert liegt deutlich oberhalb der von Assekurata-Geschäftsführer Rainer Will im April gegenüber procontra genannten Größenordnung in Höhe von 10 Milliarden Euro.

Die jetzt genannte Zahl entspricht einem neuerlichen Rekordwert an jährlicher Reservezuführung. Sollte das Niedrigzinsumfeld weiter anhalten, könnte sich der Reservebestand in den kommenden zehn Jahren auf gut 150 Milliarden Euro summieren, prognostiziert Assekurata. Per Ende 2014 betrug die Zinszusatzreserve branchenweit gut 20 Milliarden Euro.

Anbieter wünschen mehr Zeit
Das derzeitige Ansinnen von Branchenverbänden, die Methodik der Zinszusatzreserve zu ändern und künftige Zuführungen zeitlich zu strecken, hält Assekurata „angesichts der extremen Zinsverhältnisse für nachvollziehbar und vertretbar.“

Wie viel Mittel die Branche nach geltender Methodik der Zinszusatzreserve noch zuführen muss, hänge maßgeblich von der Entwicklung des zugrunde liegenden Bezugszinses (zehnjähriger Null-Kupon-Euro-Zinsswapsatz) ab. Um das künftige Reservevolumen zu veranschaulichen, habe Assekurata für diesen Zins verschiedene modellhafte Verläufe simuliert und die jeweils erforderliche Dotierung der Zinszusatzreserve abgeschätzt.

Pessimistisches Szenario
In der Abbildung links ist das pessimistische Szenario dargestellt, das für die nächsten Jahre ein anhaltendes extremes Niedrigzinsniveau mit nur leichten Schwankungen unterstellt. Der simulierte Bezugszins bezieht sich dabei auf die linke Skala, ebenso wie die grafisch eingezogenen Garantiezinsgenerationen. Der voraussichtliche Bestand an Zinszusatzreserve kann demgegenüber an der rechten Skala abgelesen werden.

Zinszusatzreserve im procontra-Beratertool LV-Check
Vier Jahre belastet die Zinszusatzreserve nun schon die Bilanzen der Lebensversicherer. Wer hat bereits die Milliarde geknackt und wer steht kurz davor? Das hat procontra jetzt in einer Infografik dargestellt.

Die kumulierte beziehungsweise annualisierte Zinzusatzreserve ist neben der Höhe der Kapitalanlagen und Reserven sowie der Solvabilitäts- und RfB-Quoten ein Kriterium zur Beurteilung der Finanzstärke eines Lebensversicherers. Entsprechende Daten für die deutschen LV-Anbieter finden Sie in der fortlaufend aktualisierten Datenbank des procontra-Beratertools LV-Check



Foto: Reiner Will, Assekurata; Grafiken: Assekurata, procontra LV-Check

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