Ifo-Präsident für geordneten Grexit

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Den absehbaren Konkurs vor Augen braucht Griechenland sofort eine neue elektronische Parallelwährung sowie Kapitalverkehrskontrollen. Mit der neuen Währung kommt die Wettbewerbsfähigkeit zurück, prognostiziert Hans-Werner Sinn.

Nach dem als historisch zu bezeichnenden Verlauf der Gespräche mit der extremen Links-Rechts-Regierung in Athen, wird ein Staatsbankrott Griechenlands immer wahrscheinlicher. Vor diesem Hintergrund hat sich der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für einen geordneten Grexit ausgesprochen.

„Der absehbare Konkurs des Landes ist sehr bedauerlich. Griechenland braucht nun sofort eine neue elektronische Währung parallel zum Euro und den Stopp aller Euro-Überweisungen ins Ausland, also Kapitalverkehrskontrollen“, sagte Sinn (Foto) am Sonntag.

Konferenz mit allen Gläubigern
„Die neue Währung würde abwerten gegenüber dem Euro, und damit würde das Land wieder wettbewerbsfähig.“ Außerdem sei eine Schuldenkonferenz mit allen Gläubigern erforderlich, um nach dem Euro-Austritt einen Schuldenschnitt zu besprechen. Das werde vor allem die Euro-Staaten, die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) treffen.

Die griechische Notenbank dürfe ab sofort keine neuen Euros mehr elektronisch herstellen oder Euro-Banknoten ausgeben, forderte Sinn. Die noch vorhandenen Euro-Banknoten in Griechenland könnten als paralleles Bargeld erhalten bleiben, obwohl alle Löhne, Preise, Mieten und Kredite in Drachme ausgewiesen würden, fügte der Volkswirt hinzu. In einigen Wochen würden die Banknoten der neuen Währung gedruckt sein.

Importe teuer, Exporte billiger
Umfangreiche Untersuchungen des ifo Instituts hätten gezeigt, dass bei einer Finanzkrise eine Abwertung die Wirtschaft wieder anspringen lasse. Die Importe würden teurer, das heißt, die Griechen würden mehr heimische Produkte kaufen.

Die Warenexporte würden billiger, auch die so wichtigen Tourismus-Dienstleistungen. Und Fluchtkapital würde wieder zurückkehren ins Land. Es dauere im Normalfall ein bis zwei Jahre, bis die Wirtschaft wieder wachse. Großzügige Hilfen der Europäer für kritische Importe seien erforderlich, zum Beispiel bei Medikamenten.

Foto: A. Schellnegger (ifo)

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