„Lieber solide und kontinuierlich als hoch und wacklig“

Investmentfonds Top News von Annika Janßen


procontra: Was ist Ihnen bei der Titelauswahl wichtiger: kontinuierliches Dividendenwachstum oder die aktuelle Höhe der Dividenden?

Dr. Ehrhardt: Beides ist wichtig. Eine gute Dividendenaktie bietet sowohl eine ansehnliche Dividendenrendite als auch eine nachhaltige Dividendenpolitik, also kontinuierliche und bestenfalls gleich hohe oder steigende Ausschüttungen. Es gilt, sich die Firmen genau anzuschauen und mit Blick auf beide Kriterien auf Herz und Nieren zu prüfen. Im Zweifel gilt für mich aber das Credo „Qualität vor Quantität“. Eine solide und kontinuierlich gezahlte Dividende ist besser als eine enorme Dividende, die aber auf wackligen Füßen steht.

procontra: Sie haben US-Titel lange Zeit eher gemieden. Derzeit liegt der Anteil von US-Aktien am Portfolio allerdings bei 21 Prozent – warum der Meinungsumschwung?

Dr. Ehrhardt: Wirklich gemieden haben wir US-Aktien noch nie. Bis vor ein paar Jahren lag ihr Anteil aber lediglich bei 10 Prozent. Europäische und asiatische Aktien weisen oftmals eine höhere Dividendenrendite und eine solidere Bilanz auf als US-Aktien, außerdem sind sie oftmals günstiger. Wenn möglich, habe ich deshalb in der Vergangenheit lieber Europa- oder Asien-Aktien gekauft als US-Titel. Mittlerweile sind viele US-Aktien aber substanzstärker und schwankungsärmer als andere Titel, deshalb haben wir den Anteil am Portfolio aufgestockt. Insgesamt bemühen wir uns, sowohl in den USA als auch in Europa und Asien breit zu diversifizieren.

procontra: Welche Branchen finden Sie derzeit am attraktivsten?

Dr. Ehrhardt: Derzeit halte ich Aktien aus der Telekommunikations- und Gesundheitsbranche für besonders attraktiv. Sie stehen für etwa 10 beziehungsweise 14 Prozent des Fonds und sind damit deutlich höher gewichtet als im Vergleichsindex. Die Telekommunikationsbranche ist derzeit wieder interessant, denn dort findet in vielen Ländern gerade eine Konsolidierung am Markt statt, viele Konzerne verzeichnen erstmals seit Jahren wieder ein Umsatzwachstum und bieten attraktive Dividenden.

procontra: Und welche Branchen meiden Sie?

Dr. Ehrhardt: Die Aktien von Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor halte ich derzeit für nicht besonders aussichtsreich. Angesichts der extrem niedrigen Ölpreise wird es den Unternehmen künftig kaum mehr möglich sein, ihre Dividenden aus dem Cashflow zu bestreiten. Die Energiebranche ist im Fondsportfolio momentan kaum vertreten.

procontra: Würden Sie mit Blick auf die Fondsperformance der vergangenen Jahre heute etwas anders machen?

Dr. Ehrhardt: Ich bin mit der Wertentwicklung des Fonds immer zufrieden gewesen. Nur im Jahr 2011 war ich es nicht. Da hätten wir vieles anders machen können. Damals haben wir die Eurokrise schlicht unterschätzt. Vor allem Dax-Aktien stürzten damals ab, während sich die Kurse in den USA nach einem kurzen Einbruch wieder erholten. Das drückte auf die Fondsperformance, weil damals noch nicht so viele US-Aktien im Portfolio waren. Daraus haben wir gelernt, mehr zu diversifizieren und bei europäischen Aktien auf Unternehmen zu setzen, die auch in den USA aktiv sind.

procontra: Gab es einzelne Aktien, die Sie im Nachhinein lieber nicht ins Portfolio genommen hätten?

Dr. Ehrhardt: Nein. Da ist nichts dabei, was ich anders machen würde. Der Fonds besteht aus 75 Einzelaktien, da gibt es immer mal gute und weniger gute Werte.

procontra: Ihre Konkurrenz ist nicht gerade klein. Es gibt mittlerweile einige gut laufende Dividendenfonds, etwa von M&G und Fidelity. Sorgt das bei Ihnen für Druck?

Dr. Ehrhardt: Nein, ich empfinde den Wettbewerb mit anderen Anbietern eher als Ansporn. Letztlich zählt ja das Know-how eines Fondsmanagers, und davon bringen wir einiges mit. Zudem sind Dividendenfonds ganz unterschiedlich aufgestellt. M&G-Fondsmanager Stuart Rhodes etwa setzt mit dem Global Dividend Fund sehr stark auf Unternehmen im angloamerikanischen Raum, während wir mit dem DJE Dividende & Substanz bevorzugt in Asien und Europa unterwegs sind. Da kommt man sich nicht so schnell in die Quere.

procontra: Welche Dividendenaktien würden Sie Ihrer Oma empfehlen?

Dr. Ehrhardt: Bei Anlagen mit relativ kurzem Horizont gilt: je defensiver, desto besser. Deshalb würde ich Titel aus klassischen defensiven Branchen empfehlen, und zwar solche von etablierten und international aufgestellten Unternehmen. Das wären vor allem Konzerne aus der Telekom- und Infrastrukturbranche sowie aus der Pharmaindustrie.

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