„Lieber solide und kontinuierlich als hoch und wacklig“

Investmentfonds Top News von Annika Janßen

Heute sind Dividenden wichtiger denn je für Anleger. Worauf Dr. Jan Ehrhardt, Fondsmanager des DJE Dividende & Substanz, Wert legt, wo er Perlen sucht und welche Titel er auch seiner Oma empfehlen würde

procontra: Aktien gelten als alternativlos. Gerade in Deutschland scheuen viele Sparer aber immer noch vor dieser Anlageklasse zurück, fürchten Kursschwankungen und Verluste. Wie machen Sie solchen Skeptikern Aktien schmackhaft?

Dr. Jan Ehrhardt: Es stimmt, Anleger haben immer noch Angst vor Aktien. Außerdem beobachten viele aktuell die immer neuen Höchststände des deutschen Leitindex Dax und glauben, mit einem Aktienkauf ohnehin zu spät dran zu sein. Den Skeptikern entgegne ich: Die Bewertungen vieler Aktien sehen teuer aus, sie sind aber historisch betrachtet absolut im Rahmen. Auf der Aktienseite hat sich in den vergangenen Jahren gar nicht so viel verändert, auf der Anleiheseite hingegen schon. Im Vergleich zu Renten sind Aktien derzeit so günstig wie nie. Dazu kommt die sich verbessernde Konjunkturlage, die Unternehmen höhere Gewinne bescheren dürfte. Es gibt also noch Luft nach oben. Was die Kursschwankungen angeht – die gibt es an den Börsen immer wieder. Das muss man aushalten. Wichtig ist immer die langfristige Entwicklung einer Aktie.

procontra: Warum sollten Anleger ausgerechnet in Ihren Fonds investieren? Es gibt so viele Aktienfonds.

Dr. Ehrhardt: Weil substanzstarke Qualitätsaktien mit attraktiven Dividendenrenditen immer wichtiger werden. In Zeiten niedriger oder sogar negativer Zinsen wollen viele Anleger einfach eine gewisse Sicherheit und vor allem regelmäßige Erträge generieren. Dividendenstarke Aktien bedienen beide Bedürfnisse. Zum einen sind viele der sogenannten Dividendenperlen aus defensiven, also wenig konjunkturabhängigen Branchen. Sie schwanken also weniger stark als Titel aus zyklischen Branchen. Zum anderen sind die Dividendenrenditen vieler Aktien wesentlich höher als Anleiherenditen. Wer breit streuen und gleichzeitig regelmäßige Erträge erzielen will, ist also mit einem Dividendenfonds gut beraten.

procontra: Welche Dividendenrendite bietet Ihr Fonds aktuell?

Dr. Ehrhardt: Derzeit liegt die Dividendenrendite im Schnitt bei 3,5 Prozent. Der Dax bietet ungefähr 3 Prozent. Vergleicht man diese Zahlen mit den aktuellen Renditen von Staatsanleihen, haben Sie das nächste Argument für Dividendenaktien: Wenn ich fast 4 Prozent Dividendenrendite mit einem Fonds erzielen kann, dann nehme ich die. Und nicht deutsche Bundesanleihen, die bei Laufzeiten bis zu sieben Jahren negative Renditen aufweisen.

procontra: Als Ihr Fonds vor zwölf Jahren an den Start ging, interessierte sich kaum jemand für Dividenden. Was hat sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert?

Dr. Ehrhardt: In der Tat interessierten Dividenden damals so gut wie niemanden, die meisten Anleger spekulierten auf Kursanstiege und schnelle Gewinne. Das führte dazu, dass kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern zum Teil höher bewertet waren als im MDax gelistete Unternehmen mit Tausenden Mitarbeitern und soliden Fundamentaldaten. Nach dem Platzen der Blase am Neuen Markt entstand die Idee, zurück zu den Wurzeln der Aktienanlage zu gehen und ganz bewusst auf solide Unternehmen mit hohen Dividenden zu setzen. Als ich meiner Oma damals von dem Fondskonzept erzählte, war sie ganz begeistert. Denn vor dem Jahr 1950 war die Ausschüttung bei einer Aktie das Wichtigste, darauf schaute jeder. Mittlerweile sind die Märkte wieder bei diesen Wurzeln angekommen. Vielen krisengebeutelten Anlegern sind solide Dividendenaktien mittlerweile wieder lieber als wenig stabile Titel mit allenfalls kurzfristigen Gewinnaussichten.

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Foto: Dr. Jan Ehrhardt

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