„Die Fed wird 2015 nicht viel unternehmen“

Investmentfonds Investment-Talk von Julia Groth

Hendrik Leber, Gründer der Investmentboutique Acatis, erklärt, warum er für Aktien ungebrochen optimistisch ist und wo er die besten Anlagechancen sieht.

procontra: Sie sind nach wie vor Aktien-Fan, trotz gestiegener Volatilität und hoher Bewertungen. Was muss passieren, damit Sie Aktien nicht mehr so attraktiv finden? 

Hendrik Leber:
Die Kurse müssten drastisch steigen. Nach aktuellem Stand könnten sie gut noch einmal um 50 Prozent zulegen, ohne dass ich das Interesse verlieren würde. Wegen der niedrigen Zinsen sind Aktien derzeit die einzige vernünftige Anlageklasse. Wenn die Zinsen um zwei Prozentpunkte oder mehr steigen würden, wären Aktien auf dem heutigen Niveau zu teuer – einen solchen Anstieg sehe ich für die nächste Zeit aber nicht. 

procontra:
Wo sehen Sie zurzeit die besten Anlagechancen? 

Leber:
Ich finde die IT-Branche sehr spannend. Ich glaube, die meisten Menschen haben noch nicht verstanden, wie IT unseren Alltag verändern wird. Ich war vor einigen Tagen in Omaha und habe auf dem Hinflug den Film „Ex Machina“ gesehen. Darin geht es um künstliche Intelligenz. Dinge, die vor zehn Jahren noch Zukunftsmusik waren, sind heute zum Greifen nahe. Und IT-Aktien sind nach wie vor günstig bewertet. 

procontra: Für klassische Value-Investoren wie Sie sind IT-Aktien üblicherweise nicht die erste Wahl, oder? 

Leber:
Das kommt darauf an, wie Sie „klassisch“ definieren. Für Value-Investoren zählt vor allem der günstige Einkauf. Label wie „Value-Investing“ werden oft schlichtweg falsch verwendet. 

procontra: Die Aktienkurse in Europa und den USA sind zuletzt vor allem dank der Unterstützung durch die Notenbanken gestiegen. Sehen Sie noch andere Argumente für weitere Kurssteigerungen? 

Leber:
Man muss zwischen den USA und Europa unterscheiden. In den USA dürften die Aktienkurse in der kommenden Zeit eher fallen, in Europa eher steigen. Das liegt vor allem an den Wechselkursen, und damit doch wieder indirekt an den Notenbanken, deren Politik die Währungen beeinflusst: Unternehmen in Europa profitieren vom schwachen Euro, amerikanische Unternehmen leiden unter dem starken US-Dollar. Darüber hinaus dürfte der gefallende Ölpreis Aktien unterstützen. Ich rechne damit, dass Öl noch längere Zeit billig bleiben wird. Es ist seltsam: Alle jammern, wenn der Ölpreis steigt, aber ich habe noch niemanden jubeln gehört, weil der Preis gesunken ist. Diese Tatsache ist in der breiten Analysten-Öffentlichkeit offenbar noch nicht richtig angekommen.

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Foto: Hendrik Leber, Acatis

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