„Ich war 2008 optimistischer als jetzt“

Investment-Talk von Julia Groth


procontra: Für Aktien zeigen Sie sich seit Jahren optimistisch, obwohl die Bewertungen deutlich gestiegen sind. Sehen Sie an den Aktienmärkten keine Gefahr einer Blasenbildung?

Otte: Natürlich kann auch an den Aktienmärkten eine Blase entstehen. Aber so weit ist es noch lange nicht. Die Bewertungen sind zwar teilweise sportlich, aber noch nicht überzogen.

procontra: Welche Aktien finden Sie als Value-Investor zurzeit besonders interessant?

Otte: Die meisten Privatanleger dürften mit den Klassikern immer noch gut bedient sein, also mit Titeln wie Nestlé oder Novartis. Die bieten Dividenden und ein halbwegs vernünftiges Wachstum. Öltitel sind jetzt günstig, Aktien von Versicherern gehen ebenfalls noch. Der DAX ist allmählich allerdings nicht mehr besonders spannend.

procontra: Ihr „Max Otte Vermögensbildungsfonds“ ist Ende vergangenen Jahres abgestürzt. Was haben Sie falsch gemacht?

Otte: Wir hatten viele sehr günstige Titel im Fonds, zum Beispiel Salzgitter. Die Schere ging zwischenzeitlich weiter auf, die billigen Aktien wurden noch billiger und die teuren noch teurer. Aber man darf als Value-Investor nicht mit dem Strom schwimmen, und letztlich lagen wir ja mit unserer Positionierung ja auch richtig. Der Fonds hat sich wieder erholt.

procontra: Müssen Berater ihre Kunden darauf vorbereiten, dass die Aktienmärkte volatiler werden?

Otte: Die Schwankungen dürften zunehmen. Das bietet allerdings auch Chancen: Eine hohe Volatilität bedeutet schließlich, dass manche Werte günstiger werden. Privatanleger kommen mit starken Marktschwankungen aber meist nicht gut klar. Sie sind übervorsichtig und verpassen dadurch gute Investmentgelegenheiten. Ich sehe da noch keine breite Verhaltensänderung, obwohl ich schon lange das Value-Investing predige.

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