AIF-Markt: Aufwärts aus der Talsohle

Sachwerte von Robert Krüger Kassissa



Marktbereinigung bei Vermittlern
Die Einführung des KAGB führt nicht nur zu Klagen über Erschwernisse. „Wir begrüßen die Einführung des KAGB ausdrücklich und erkennen eine weitere Professionalisierung der gesamten Branche“, erläutert Patrick Brinker, Prokurist und Leiter Fondsvertrieb bei HTB Hanseatische Fondsinvest.

Diese Professionalisierung, anders ausgedrückt: Marktbereinigung, betrifft aber nicht nur die Emissionshäuser. Auch der Vermittlermarkt ist kleiner geworden, was die Initiatoren vor weitere Herausforderungen stellt. So hat Fidura die Platzierung ihres Fonds Rendite Sicherheit Plus Ethik 4 wieder aufnehmen können, aber „sicher werden wir hierbei auf ein im Hinblick auf unsere Vertriebspartner bereinigtes Marktumfeld treffen“, erklärt Fidura-Geschäftsführer Klaus Ragotzky.

Optimismus allenthalben
Beim Ausblick auf 2015 sind viele der befragten Initiatoren optimistisch. Dreistellige Millionenbeträge im Privatkundenbereich werden wieder für möglich gehalten. „Wir erwarten für 2015 ein deutliches Wachstum im Privatkundenbereich und wollen rund 200 Millionen Euro Eigenkapital bei privaten Anlegern einsammeln“, sagt Real-I.S.-Vorstand Jochen Schenk.

Ähnlich ambitioniert denkt WealthCap. Die Münchener sammelten 2013 im Retailbereich 225,16 Millionen Euro ein, 2014 waren es 142,77 Millionen Euro. Dieses Jahr soll die 2013er-Marke wieder erreicht, wenn nicht gar übertroffen werden.

Zum Teil mischt sich aber noch etwas Skepsis in die Prognosen. „Das extreme Niedrigzinsumfeld und die Eurokrise werden renditestarke Sachwerte wieder mehr in den Fokus vermögender Anleger rücken, sobald die Initiatoren ihre Hausaufgaben gemacht haben und der Kapitalmarktregulierung entsprechende, attraktive Angebote auf den Markt bringen“, sagt André Tonn, Geschäftsführer der Oltmann-Gruppe.

Erst langsame Erholung
Thomas Böcher von Paribus prognostiziert: „Der Markt der geschlossenen Alternative Investment Funds (AIF) wird sich im Jahr 2015 allerdings erst langsam wieder beleben.“ Ähnlich sieht es Axel Stiehler, Geschäftsführer bei Aquila Capital: „Ich gehe davon aus, dass das aktuelle Jahr noch einige Herausforderungen für uns und die gesamte Branche bietet. Allerdings auch, dass Publikums-AIFs sich ihrem Potenzial zunehmend annähern und wir künftig wieder deutlich umsatzstärkere Jahre sehen werden.“

Aufseiten der Berater und Kunden muss weiterhin Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Es braucht noch einige Zeit, bis sich die fundamentalen Änderungen (Anm. d. Red.: durch KAGB vollumfänglich regulierter und beaufsichtigter Markt) bei Beratern und Kunden herumgesprochen haben und die Vorteile der geschlossenen Immobilienfonds als attraktive Alternative zu Aktien, festverzinslichen Anlagen und direkten Immobilieninvestments flächendeckend erkannt werden“, meint Andreas Heibrock, Geschäftsführer der Patrizia GrundInvest.

Inländische Immobilien im Fokus
Diese Vorteile der geschlossenen Immobilienfonds vornehmlich mit inländischen Objekten wollen die Emissionshäuser 2015 ihren Kunden zugänglich machen. Denn dieses Segment mit 26 in der procontra-Umfrage erfassten Fondsvorhaben ist mit Abstand das aktivste. Aber auch das 2014er-Erfolgssegment Flugzeuge wird 2015 weiter bedient. An Schiffe traut sich nur noch ein Haus heran (reines Eigenkapitalkonzept der Oltmann Gruppe). Etwas Belebung kommt auch wieder in das Segment Immobilien Ausland (sechs neue Fonds 2015). Wenn erneuerbare Energien, dann vorrangig Windkraft, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage. Auch in den Nischen Lokomotiven (Paribus) und Flusskreuzfahrt (PCE Holding) können Anleger und Vermittler in diesem Jahr wieder neue Produkte erwarten (siehe Bilderstrecke unten).

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