Zurich: „Mehr Anreize für die Eigenvorsorge!“

Versicherungen von Christian Hilmes

In die aktuelle Diskussion um Betriebrenten schalten sich jetzt die Versicherer ein: „Im Kampf gegen Altersarmut“ sei die bAV zwar ein wichtiges Instrument, für das die Regierung die richtigen Rahmenbedingungen aber erst noch schaffen müsse.

Konkret kritisiert Björn Bohnhoff (Foto) beispielsweise die „grundsätzlich wichtigen“ Steuerersparnisse als ungeeignetes Förderinstrument für Niedriglöhner, da sie kaum von ihnen profitieren: „Personen, die ihre Ausgaben ganz genau planen müssen, werden sich grundsätzlich schwer tun, Geld fürs Alter zur Seite zu legen.“ Und Arbeitslosen böten sie überhaupt keinen Anreiz zum Vorsorgesparen.

Der Leiter für Produkte zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) bei der Zurich hält es stattdessen für wichtiger, dass bAV-Leistungen bis zur Hälfte ihrer Höhe nicht auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angerechnet werden. Denn die Aussicht, dass der heutige bittere Konsumverzicht schlimmstenfalls im Rentenalter gegen die Grundsicherung aufgerechnet werde, sei ein wichtiges Hindernis für die private Vorsorge.

Besonders bedroht von Altersarmut
„Insbesondere Geringverdienern und Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien müssen Zusatzanreize für die Eigenvorsorge geboten werden“, fordert Bohnhoff. Denn sie seien im Alter überproportional von Armut betroffen. „Die teilweise Nichtanrechnung von kapitalgedeckter Vorsorge auf die Grundsicherung stellt somit einen zentralen Baustein zur stärkeren Durchdringung der bAV dar, insbesondere für die Gruppe der Geringverdiener.“

Außerdem empfiehlt Zurich den politischen Entscheidungsträgern die Umsetzung folgender Punkte:
- Aufwertung des Rechtsanspruchs auf bAV durch eine aktivere Informationspflicht des Arbeitgebers
- Recht des Arbeitgebers auf freiwilliges „Auto-Enrollment“ für Entgeltumwandlung auch für bestehende Arbeitsverhältnisse
- Verpflichtung der Arbeitgeber, mindestens 50 Prozent der Ersparnisse aus der Entgeltumwandlung der Arbeitnehmer in Form von firmenfinanzierter Altersversorgung zur Verfügung zu stellen
- Harmonisierung aller Durchführungswege in Bezug auf die steuerliche Förderung

Was halten Sie von der Nahles-Rente?
Die Bundesregierung will die Betriebsrente künftig stärker als bisher in Tarifverträgen verankern. Insbesondere Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) macht sich in der Versicherungswirtschaft derzeit wenig beliebt. Denn ihre Pläne zur Stärkung der Betriebsrente laufen darauf hinaus, ein zweites bAV-System in Form von tarifvertraglichen bAV-Einrichtungen zu schaffen.

Ein gleiches Ergebnis wäre aber nach Meinung der Maklerbranche auch mit Änderungen am bestehenden System zu erreichen. In der vorigen Woche fragten wir daher: Halten Sie einen neuen bAV-Durchführungsweg für sinnvoll? Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Mit Nein antworteten bis Donnerstag, 17.30 Uhr, 96 Prozent der insgesamt mehr als 470 Teilnehmer der Umfrage. Zum Vergleich: Die Ja-Stimmen machen gerade einmal 3 Prozent aus.



Foto: Zurich