Viele Öko-Fonds intransparent

Investmentfonds von Christian Hilmes

Nachhaltige Investmentfonds haben im vergangenen Jahr ein neues Rekordvolumen im deutschen Markt erreicht. Doch für die meisten Privatanleger bleibt ungewiss, auf welche Aktien die Fondsmanager setzen, zeigt eine neue Studie.

Nachhaltigkeits-Fonds haben Ende vorigen Jahres in Deutschland ein neues Rekordvolumen von 34,8 Milliarden Euro erreicht. Im Vorjahr waren es nach Angaben des Branchendienstes ECOreporter noch 30,4 Milliarden Euro. Demnach erklärt sich das jüngste Volumenwachstum um knapp 14,5 Prozent maßgeblich durch die starke Wertentwicklung der Aktienportfolios, die die Mehrheit des Öko-Fondsmarktes ausmachen.

Diese Investmentfonds werden Anlegern mit dem Argument angeboten, dass sie nach ökologischen, sozialen und/oder ethischen Kriterien zusammengestellt werden. Dazu investieren sie beispielsweise in die Hersteller erneuerbarer Energien. Dennoch bleibt oft unklar, wie die Einzeltitel ausgewählt werden. Das gilt vor allem für diejenigen Investmentfonds, deren Auswahlkriterien von externen Rating-Agenturen bestimmt werden.

Aktien-Auswahlprinzip mit Tücken
Das ist das Ergebnis einer Studie des Teams um Dr. Henry Schäfer (Foto rechts), Professor am Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart. Die Stuttgarter Forscher untersuchten 27 Investmentfonds, die nach dem so genannten Best-in-Class-Prinzip verwaltet werden. Das heißt, es sind jeweils diejenigen Firmen vertreten, die für ihre Mitbewerber besonders vorbildlich agieren – unabhängig davon, ob ihre Branche nachhaltig ist.

Bei diesem Verfahren kann es passieren, dass viele Pluspunkte in Sachen Nachhaltigkeit eines bestimmten Unternehmensbereichs die Minuspunkte eines anderen mehr als ausgleichen, erklärt Schäfer. „Dann ist ein in der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich schlechtes Unternehmen unter dem Strich noch in einem Ethikfonds enthalten.“ Als Negativbeispiel für eine „böse Überraschung“ der Anleger in der Vergangenheit nennt er den Londoner Ölförderer BP, deren Aktien in vielen Öko-Fonds vertreten waren.

Wer „bedient den Röntgenschirm?“
Daher stellt sich für viele Anleger die Frage, wie ihre Fondsportfolios zustande kommen. Um die ökologisch, sozial und ethisch besonders wertvollen Aktien zu finden, werden die Firmen teilweise mit bis zu 300 einzelnen Kriterien bewertet. Laut Schäfer kommt es aber entscheidend darauf an, wer diesen „Röntgenschirm bedient - entweder die Fondsgesellschaft selbst oder kauft sie diese Leistung bei einer Rating-Gesellschaft extern ein?“

In letzteren Fällen seien die entsprechenden Informationen für Anleger schwer verfügbar, berichtet Studienleiter Schäfer. „Es bedarf teilweise erheblicher zusätzlicher Anstrengungen, um zu erfahren, welche Umwelt-, Sozial- und Ethikvorstellungen die Rating-Agentur in den Fonds eingebracht hat und ob das Ergebnis mit dem jeweiligen Weltbild des Anlegers von guten oder schlechten Unternehmen übereinstimmt.“

Foto: © Kletr – Fotolia; ECOreporter; Universität Stuttgart

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare