Vermittlern droht Verlust des Versicherungsschutzes

Berater Top News von Jens Reichow

Auf die BWF-Vermittler stürzen sich nun auch die Anlegerschutzanwälte. Diesen könnte jetzt ein böses Erwachen drohen, wie Rechtsanwalt Jens Reichow von der Kanzlei Michaelis zeigt.

Nachdem die BaFin der BWF-Stiftung mit Bescheid vom 25.02.2015 den weiteren Betrieb eines Einlagengeschäftes untersagte und einen Abwickler für das Unternehmen bestellte, dauerte es nicht lange, bis sich auch erste „Anlegerschutzanwälte“ auf das Thema stürzten und um die Gunst der Anleger zu buhlen begannen. Bislang stehen dabei die Aussichten die Anlegergelder durch Inanspruchnahme der BWF-Stiftung oder deren Hintermänner zurückzuerhalten im Vordergrund. Einzelne Anwälte nehmen zwischenzeitlich aber auch Vermittler/Berater ins Visier. Für Vermittler/Berater könnte dies schnell unangenehm werden: Es droht der Verlust des Versicherungsschutzes!  

Wer Edelmetalle vermitteln möchte oder eine Beratung hierzu anbietet, benötigt nicht zwingend eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung. Viele Vermittler/Berater haben sich jedoch gleichwohl im Vorwege für den Abschluss einer solchen Versicherung entschieden, wohlweislich, dass es beruhigend ist, wenn man eine Versicherung im Hintergrund hat, die einen von Schadensersatzansprüchen von Anlegern freihält. Diesen Vermittlern/Beratern könnte jetzt jedoch ein böses Erwachen drohen.

Unklar ist bislang, wie sich Vermögensschadenhaftpflichtversicherer in diesbezüglichen Haftungsfällen positionieren werden, insbesondere, ob sie anstandslos Deckung bereitstellen. Vom Versicherungsschutz umfasst sind nämlich nur die Vermittlung von physischem Edelmetall bzw. die Beratung hierzu. Das BaFin ordnete das Geschäftsmodell der BWF-Stiftung jedoch als verbotenes Einlagengeschäft ein. Sollte sich dies bewahrheiten, hätte der Vermittler also kein Edelmetall, sondern ein Einlagengeschäft vermittelt. Von der Definition des Versicherungsschutzes dürften Haftungsansprüche geschädigter Anleger daher nicht ohne Weiteres erfasst sein. Vermittler/Berater drohen damit auf einem etwaigen Schaden sitzen zu bleiben.

Vermittler/Berater sollten daher frühzeitig mit der eigenen Vermögensschadenhaftpflichtversicherung das Bestehen oder Nicht-Bestehen von Versicherungsschutz abklären, um gegen mögliche Schadensersatzforderungen von Anlegern gewappnet zu sein. Es empfiehlt sich dabei auch fachkundige anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Foto: Rechtsanwalt Jens Reichow, © Kanzlei Michaelis