Genossenschaftliche Versicherer vergraulen Makler

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Die R+V Versicherung bringt immer mehr Makler gegen sich auf. Auf mehrfacher Anfrage verteidigen Firmensprecher das Geschäftsgebaren halbherzig. Das erinnert an andere Versicherer, die ihren Vertrieb über Makler bereits eingestellt haben.

Die Versicherer aus der Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken stehen derzeit aufgrund ihrer Vertriebspolitik in der Kritik: Immer neue Auflagen führten bei vielen Maklern bereits zur Beendigung mancher Courtagevereinbarung. Deren Sätze sollen jetzt auch noch deutlich sinken, womöglich ohne Rücksicht auf einen gegebenenfalls zwischengeschalteten Maklerpool.

Die Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) kritisiert die genossenschaftliche Assekuranz in einer aktuellen Pressemitteilung als Beispiel für das Verhalten eines großen Teils der Branche: „Einige Versicherer lassen nichts unversucht, sich die Berufsgruppe der Versicherungsmakler gefügig zu machen und so in den Maklerbetrieb unmittelbar einzugreifen.“

R+V gelobt Besserung
Für die R+V verspricht Dietmar Schöne (Foto) jetzt aber, dass man sich „den Marktusancen entsprechend verhalten“ wolle. Der Leiter der Vertriebsdirektion Makler Komposit reagiert mit dieser Ankündigung auf einen zweiten offenen Brief der IGVM an den Vorstand der R+V Versicherungen aus dem Februar.

Im entsprechenden Antwortschreiben kündigt der Versicherer an, „so lange Courtage zu zahlen, wie die betreffenden Verträge bei uns bestehen, laufend bezahlt sind und nicht aufgrund der Vorlage eines Kundenwunsches oder Maklermandats in den Bestand eines anderen Vertriebspartners übertragen wurden.“

Streit mit Vorgeschichte
In der zweiten R+V-Antwort wiederholt das Unternehmen seine bereits vor einem Monat schriftlich gegenüber IGVM-Vorstandsmitglied Michael Otto erklärte Absicht, „keinesfalls die Kunden eines Versicherungsmaklers in eine eventuelle vertragliche Auseinandersetzung einbeziehen“ zu wollen.

Genau das sah Otto als Folge des R+V-Geschäftsgebarens kommen. Denn sie habe in einem Beispielfall ein IGVM-Mitglied dazu aufgefordert, bis Ende 2015 alle bei ihr bestehenden Policen umzudecken. Anderenfalls werde man die Verträge in den Direktbestand übernehmen und kündigen beziehungsweise keine Courtagen mehr vergüten.

Doch: „Dieses verbraucherschädliche Verhalten ist nun endgültig vom Tisch“, erklärt der IGVM-Vorstand. Für ihn steht fest: „Es darf nicht sein, dass Meinungsverschiedenheiten zwischen Versicherungsmaklern, die sich eben nicht alles von den Versicherern vorschreiben lassen, und Versicherern auf dem Rücken und damit zu Lasten der Maklerkunden ausgetragen wird.“

Seite 1: R+V bringt Makler gegen sich auf
Seite 2: IGVM sieht weiter Grund für Kritik
Seite 3: „Druckmittel der Versicherer“
Seite 4: Abschied vom Maklervertrieb?

Foto: Dietmar Schöne, R+V Versicherung AG

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