Erben und Schenken zu Lebzeiten gestalten

Ruhestandsplanung von procontra

Die heute 40 bis 60-Jährigen gelten als Erbengeneration. Zig Milliarden Euro überlassen sie ihren Kindern und Enkeln. Soll ein Großteil des Geldes nicht an den Fiskus gehen, ist Planung notwendig.

Deutschland wird zunehmend zu einem Land der Erben. Im statistischen Mittel erben jährlich vier Prozent aller Haushalte, also jeder 25. Im Laufe von 12,5 Jahren hat jeder zweite Haushalt geerbt; im Zeitraum von 30 Jahren jeder Haushalt mindestens einmal. Die heute 40 bis 60-Jährigen gelten daher zu Recht als Erbengeneration. Dazu muss man wissen: Mit rund 6.300 Milliarden Euro hat das Nettovermögen der Bundesbürger 2014 einen Rekord erreicht. Im Schnitt verfügt jeder Erwachsene über 83.000 Euro. Diese aktuellen Zahlen stammen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Bis 2020 werden 1,7 Billionen Euro vererbt

Dieses Vermögen ist quasi die Erbmasse. Allein bis zum Jahr 2020 werden 5,7 Millionen Erblasser etwa 1.700 Milliarden Euro Generationen übergreifend weitergeben, ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Das Vermögen ist in Immobilien, auf Bankkonten, auf dem Kapitalmarkt sowie in Versicherungsverträgen angelegt. Grundsätzlich unterliegt jede dieser Anlageformen der Erbschafts- und Schenkungssteuer.

Die entsprechenden Steuerregeln wurden auf Anordnung des Bundesverfassungsgerichts reformiert. Seit Anfang 2009 zählen Familienangehörige wie Ehepartner, Kinder und Enkel zu den großen Gewinnern des neuen Steuerrechts. Zum Beispiel wurde der Freibetrag für Kinder von 205.000 auf 400.000 Euro fast verdoppelt (siehe Tabelle). Seitdem ist ein klarer Trend erkennbar: In Deutschland wird immer mehr Vermögen verschenkt, statt vererbt. So stieg das Vermögen, das Bundesbürger zwischen 2009 und 2013 verschenkt haben um das Dreifache auf 40 Milliarden Euro. Weniger rasant wuchs das geerbte Vermögen an, nämlich um 43 Prozent auf fast 31 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Studie unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamtes.

Freibeträge machen Schenkung attraktiv

Der Grund: Wegen der höheren Freibeträge ist eine Schenkung viel attraktiver geworden. Nach der Reform hat der Fiskus bei zahlreichen Schenkungen kleinerer und mittlerer Vermögen keine Steuern erhoben. Gleichzeitig wurden im Durchschnitt höherer Vermögen verschenkt, heißt es in der Forsa-Studie. Der Vorteil einer Schenkung erschließt sich, wenn man bedenkt, dass die Freibeträge pro Kind und Elternteil gelten und nach zehn Jahren erneut in Anspruch genommen werden können. 

Dazu Torsten Lambertz, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der WWS-Gruppe: „Eine Familie mit zwei Kindern könnte alle zehn Jahre Vermögen im Wert von bis 1,6 Millionen Euro steuerfrei auf die nächste Generation übertragen.“ „Allerdings“, so Lambertz weiter, „akzeptiert das Finanzamt eine Schenkung nur, wenn sie glaubhaft ist.“ Bei Kapitalvermögen sei die Mindestvoraussetzung ein Konto oder Depot auf den Namen des Kindes. Die Verfügungsgewalt erwachsener Kinder dürfe nicht eingeschränkt sein.

Nur wenige handeln rechtzeitig

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Januar diesen Jahres 1.005 Personen ab 45 Jahre und mit einem Nettohaushaltseinkommen ab 2.500 Euro auch danach befragt, welche Rolle Steuerfragen bei der Erbregelung spielen. Demnach wollen zwei Drittel der Befragten steuerbegünstigt vererben. Allerdings würden nur wenige von ihnen rechtzeitig die Erfolge regeln und über Geldschenkungen entscheiden. Dabei stünde für das Gros der Befragten längst fest, welches Personen sie mit größeren Beträgen beschenken möchten. Offenbar sind die relativ hohen Freibeträge vielen Menschen immer noch nicht bekannt. Oder es fehlt einfach der Ansporn, das Thema Erben und Schenken zu Lebzeiten möglichst steuersparend zu gestalten.


Freibeträge bei Erbschaft und Schenkung

Nur Vermögen oberhalb des jeweiligen Freibetrages wird besteuert. Die Freibeträge gelten pro Kind und Elternteil. Nach zehn Jahren können die Freibeträge erneut in Anspruch genommen werden. 

ErbeFreibetrag in Euro
Ehepartner500.000
Kinder400.000
Enkel200.000
Übrige Personen der Steuerklasse I 1)100.000
Personen der Steuerklasse II20.000
Personen der Steuerklasse III20.000

 

1) Nur bei Erbschaften Steuerklasse I, bei Schenkungen Steuerklasse II mit den dort geltenden Freibeträgen.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare