Turbulenter Jahresauftakt hat Folgen

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Erst der Franken-Schock, dann die Geldschwemme der EZB und schließlich der Regierungswechsel in Athen. Alle drei Ereignisse hängen eng zusammen und haben gravierende Folgen auch für uns.

Drei Ereignisse sorgten für einen fulminanten Jahresauftakt an den Finanzmärkten: Der Beschluss der Schweizer Nationalbank (SNB) die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufzulösen. Das war am 15. Januar. Eine Woche später folgte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für mehr als 1.000 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen zu kaufen. Und am 25. Januar spülte die Wahl in Griechenland eine links-rechts-populistische Regierung an die Macht. Jedes Ereignis wirbelte die Kurse an den Börsen durcheinander. Alle Geschehnisse sind miteinander verknüpft und haben gravierende Folgen auch für die Menschen in Deutschland.

Aktien im Höhenflug
Die Entscheidung der SNB kam überraschend. Das belegt der Absturz des Euro gegenüber dem Franken. Als die SNB verkündete, den Franken nicht mehr durch milliardenschwere Aufkäufe von Euros zu schwächen, schoss die Währung der Eidgenossen binnen Minuten in die Höhe und stürzte der Euro ab. Urlaub in der Schweiz ist damit für Euro-Zahler abrupt um 20 Prozent teurer geworden. Und die Schweizer können nun zwar günstig im Euro-Land einkaufen, dafür sind ihre Produkte dort aber teurer geworden. Dementsprechend brach der Aktienindex in der Schweiz (SMI) ein und zog zum Beispiel der Deutsche Aktienindex (DAX) kräftig an.

Geldflut der EZB
Dass die SNB den Franken freigab, lag an der bevorstehenden Entscheidung des EZB-Rates, die Geldschleusen vollends zu öffnen. Für monatlich 60 Milliarden Euro kauft die EZB nun insbesondere Euro-Staatsanleihen am Sekundärmarkt, also nicht direkt von einzelnen Staaten, was definitiv eine verbotene Staatsfinanzierung wäre, sondern indirekt von Banken und anderen Investoren, welche die Papiere zuvor oft ihrem jeweiligen Heimatland abgekauft haben. Gegen die Geldflut der EZB wollte die SNB nicht mehr ankämpfen. Das tat sie seit 2012, indem sie einen Kurs von 1,20 Franken je Euro festlegte. Um diesen Wechselkurs zu halten, muss sie Zentralbankgeld schaffen. Mit dem neuen Geld kaufte sie Euros, so dass ihre Bilanz immer mehr Euro-Devisen enthielt. Die EZB will den Euro aber partout schwächen, was eine Gefahr für den Wert dieser Devisenreserven darstellt.

Kurzfristiger Vorteil
Zwar hat die EZB kein Wechselkursziel, das erlaubt ihr Mandat nicht, aber de facto führt ihre Politik zur Abwertung des Euro gegenüber anderen Währungen. Das freut viele Menschen vor allem in den nicht so wettbewerbsfähigen Euro-Staaten, denn außerhalb der Euro-Zone werden deren Produkte billiger, was die Konjunktur ankurbeln könnte. Umgekehrt werden die Importe teurer. Der Vorteil wirkt also allenfalls kurzfristig. Die EZB begründet ihre Politik mit dem Kampf gegen ein allgemein fallendes Preisniveau (Deflation). Tatsächlich lag die Inflationsrate im Januar bei minus 0,6 Prozent. Rechnet man den 2014 abgestürzten Erdölpreis heraus, ist sie aber immer noch positiv.

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Foto: © niyazz - Fotolia

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