Regulierung verunsichert Makler

Berater Top News von Christian Hilmes

Maklerbüros nehmen immer öfter professionelle Unterstützung von Juristen in Anspruch. Dabei geht es aber nur selten um Rechtsstreitigkeiten mit Kunden, die zum Beispiel nach erfolglosen Investitionen in Infinus-Produkte oder Schiffsfonds Schadenersatz fordern.

Vielmehr seien die Regulierungen der vergangenen Jahre der Grund, berichtet Rechtsanwalt Norman Wirth auf procontra-Anfrage von seinen Erfahrungen mit Maklern als Mandanten. „Seit dem Inkrafttreten der Versicherungsvermittlerverordnung im Mai 2007 ging es steil nach oben.“ Denn die neuen Dokumentationspflichten und Sachkundenachweise oder die so genannte Alte-Hasen-Regel hätten viele Fragen aufgeworfen. „Gleiches erlebten wir bei der Einführung des Paragrafen 34 f Gewerbeordnung für die Finanzanlagevermittler.“

Aktuell gehe es für viele Makler darum, sich betriebswirtschaftlich an das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) anzupassen, so der Berliner Fachanwalt für Versicherungsrecht weiter. „Eine konkrete Frage lautet beispielsweise: Wie kann ich in Zeiten sinkender Abschlussprovisionen dem Kunden Honorare für Tätigkeiten wie die Angebotserstellung in Rechnung stellen, die ich bisher ohne Extragebühr geleistet habe?“ Hier sei die Unsicherheit groß, wie neue Vergütungsmodelle aussehen könnten.

Große Angst vor Haftungsrisiken
Juristische Hilfestellungen erhalten VDVM-Mitglieder von dem Verband daher bei Fragen zu Courtage- und Inkassovereinbarungen aber auch zum Beispiel beim Formulieren von Maklerverträgen. Denn die drohenden Haftungsrisiken veranlassen viele Makler, um Rat zu fragen: „Die Ausgestaltung aller vertraglichen Vereinbarungen ist für die Maklerbüros von besonderer Wichtigkeit“, erklärt Dr. Oliver Gaedeke, Leiter der Finanzmarktforschung bei YouGov. Denn ein schriftlicher Maklervertrag könne die Rechtslage des Maklers deutlich verbessern.

„Zunehmend mehr Versicherungsmakler verwenden zum Haftungsmanagement schriftliche Vereinbarungen mit ihren Kunden“, ergänzt Stephan Michaelis, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Hamburg. „Oftmals werden auch Vertragsvereinbarungen mit dem Kunden in Form von Allgemeinen Geschäftsbedingungen beschlossen.“ Die Kanzlei Michaelis hat zu diesem Themenbereich eine App entwickelt, mit der die Nutzer einen Maklervertrag nach jeweils aktueller Rechtslage erstellen können: Für das procontra Beratertool „appRIORI“ können sich Interessierte kostenlos registrieren.

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