R+V wehrt sich gegen Makler-Kritik

Berater Top News von Christian Hilmes

Michael Otto vom Berufsverband IGVM wirft dem Versicherer R+V vor, Maklern übertriebene Vorgaben zu machen. Versicherungsvorstand Dr. Norbert Rollinger kontert darauf jetzt erstmals öffentlich. Der procontra-Redaktion liegt das Antwortschreiben der R+V vor.

Für viel Wirbel sorgte jetzt folgender Passus, mit dem die R+V Versicherung ihre Zusammenarbeit mit unabhängigen Vertriebspartnern auf eine neue Grundlage stellen will: „Der Makler ist verpflichtet, zu Beginn der Geschäftsbeziehung zu seinem Kunden eine von diesem unterzeichnete Maklervollmacht einzuholen und diese R+V auf Anforderung zwecks Nachweises zur Verfügung zu stellen.“

Dieser Vorgabe widersprach Versicherungsmakler Matthias Helberg aus Osnabrück. Denn der Nachtrag zur Courtagezusage stelle einen „unrechtmäßigen und damit unzulässigen Eingriff in seinen eingerichteten Gewerbebetrieb“ dar. Welche Vereinbarungen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften getroffen würden, sei ganz alleine die Entscheidung von ihm und seinen Mandanten.

Courtagezusage fristlos widerrufen
„Weil man offenbar Widersprüche von unabhängigen Versicherungsmaklern in R+V-Konzern nicht duldet, widerrief sie die Courtagezusage fristlos“, kommentiert Michael Otto, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM), das Verhalten der R+V gegenüber dem IGVM-Mitglied Helberg.

Der Versicherungsmakler aus Osnabrück wurde aufgefordert, bis Ende 2015 alle bei der R+V bestehenden Versicherungsverträge umzudecken. Anderenfalls werde man die Verträge in Direktbestand übernehmen und kündigen beziehungsweise keine Courtagen mehr vergüten. „Hier werden Probleme zwischen Versicherer und Makler auf dem Rücken der Kunden ausgetragen“, kommentiert IGVM-Vorstand Otto.

Offener Protestbrief an R+V-Vorstand
„Abgesehen davon, dass dies nach unserer Auffassung an Arroganz kaum mehr zu überbieten ist, stellt ein solches Verhalten einen Verstoß gegen den GDV-Verhaltenskodex 'Vertrieb' dar“, so Otto weiter. „Wir fordern Sie daher auf, Ihre Vorgehensweise gegen die Kundeninteressen unseres Verbandsmitgliedes zu überdenken“, schließt Otto seinen offenen Brief an R+V-Vorstand Dr. Norbert Rollinger.

Der Luxemburger Rollinger gehört seit knapp sechs Jahren dem Vorstand der R+V Versicherung AG an und ist für das gesamte Komposit-Versicherungsgeschäft zuständig. Bevor der promovierte Jurist und Betriebswirt zu dem genossenschaftlichen Versicherer wechselte, saß er in den Vorständen der Generali Versicherungen in München sowie der Volksfürsorge Versicherungsgruppe in Hamburg.

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Foto: Michael Otto, IGVM; R+V Versicherung AG