Lebensversicherer dementieren Zusammenbruch

Versicherungen Top News von Christian Hilmes

Die Interessenvertretung der deutschen Assekuranz reagiert verärgert auf Medienberichte, wonach ein Zusammenbruch deutscher Lebensversicherer bevorsteht. procontra erklärt, was hinter der aktuellen Warnung der Rating-Agentur Moody's steckt.

„Die Renditen von Staatsanleihen werden extrem unter Druck bleiben“, erwartet Klaus Wiener, Chefvolkswirt von Generali Investments Europe. „Und ein derart niedriges Zinsumfeld drängt Investoren geradezu in risikoreichere Anlageformen.“ Genau das stellt seine Kollegen in der LV-Sparte der Generali Gruppe jetzt vor große Probleme: Mit den sinkenden Anleiherenditen sinken auch die Anlageerträge der Versicherer hierzulande.

„Die niedrigen Zinsen und die Entscheidung der EZB für eine quantitative Lockerung am 22. Januar werden in den kommenden Monaten für zusätzlichen Druck auf die Rentabilität und die Solvabilität der Versicherer sorgen“, erklärt Benjamin Serra, Senior Credit Officer bei Moody's. Die Rating-Agentur bilanziert in einem aktuellen Marktkommentar: Insbesondere deutsche Lebensversicherer stehen 2015 vor großen Herausforderungen.

„Viele Lebensversicherer senken die Zinsen, die sie den Versicherungsnehmern gutschreiben, um ihre Finanzkraft zu bewahren, so Serra weiter. „Die Wirksamkeit dieser Maßnahme schwindet jedoch, da die Gesellschaften in zunehmendem Maße durch die hohe Garantieverzinsung, mit der sie ihre Policen in der Vergangenheit verkauft haben, in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt sind.“

Negative Folgen des LVRG
Ein weiterer Grund, warum die Rating-Agentur ihren negativen Ausblick für Deutschlands LV-Branche beibehält: „ Änderungen im aufsichtsrechtlichen Umfeld sorgen für zusätzlichen Gegenwind.“ Serra erklärt: „2015 greifen die wesentlichen Änderungen der letztjährigen Reform und die Versicherer sind gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen.“

Zwar werde sich das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) langfristig positiv auf die Bonität der Branche auswirken. „Anfänglich werden Umsätze und Gewinne jedoch zurückgehen." Dem in London ansässigen Moody’s-Analysten zufolge dürften sich die geringeren Erträge auf langfristige Kapitalanlagen künftig negativ auf den Absatz von Spar- und Altersvorsorgeprodukten auswirken.

Tagesaktuelles Beispiel: Auch das gemeinnützige Online-Verbrauchermagazin Finanztip von Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen titelt: „Finger weg von neuen Lebens- und Rentenversicherungen!“. Die Begründung: „Die niedrigen Zinsen und die hohen Kosten sorgen dafür, dass sich diese Produkte nicht mehr lohnen.“ Vom Garantiezins verbleiben demnach im Durchschnitt nur 0,42 Prozent, wenn der Versicherte 25 Jahre durchhält.

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