„Griechische Aktien zählen zu den günstigsten weltweit“

Investment-Talk Top News von Julia Groth

Christos Arbaras, Teilhaber von Anodos Asset Management, darüber, warum Anleger trotz aller politischen Querelen jetzt griechische Aktien kaufen sollten.

procontra: Sie haben im Mai 2014 mit dem Hellas Opportunities Fund den ersten aktiv verwalteten Griechenland-Aktienfonds auf den deutschen Markt gebracht. Anleger sollten damit von der Erholung des griechischen Aktienmarktes profitieren. Seit Auflage hat der Fonds aber rund ein Viertel an Wert verloren. Haben Sie sich verschätzt?

Christos Arbaras: Nein. Eigentlich wollten wir den Fonds schon im Sommer 2012 auflegen. Mit diesem Timing hätten wir goldrichtig gelegen: Der griechische Aktienmarkt hat seitdem um hundert Prozent zugelegt. Leider war die Auflage des Fonds eine schwere Geburt, wir mussten erst die passenden Partner finden. Damit kam der Hellas Opportunities Fund schließlich zu einem – zumindest kurzfristig betrachtet – ungünstigen Zeitpunkt auf den Markt.

procontra: Wie viel Geld haben Anleger nach dem Wahlsieg von Alexis Tsipras im Januar aus dem Fonds abgezogen?

Arbaras: Überhaupt keins. Im Gegenteil: Wir verzeichnen seitdem Zuflüsse. Unsere Investoren wissen, dass jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt ist.

procontra: Die politische und wirtschaftliche Lage ist aber immer noch unsicher. Warum sollte man ausgerechnet jetzt in griechische Aktien investieren?

Arbaras: Griechenland hat durch die Finanzkrise und durch seine hausgemachten Probleme stark gelitten, das weiß jeder. Aber wir investieren nicht in das Land, sondern in einzelne Unternehmen. Und die griechischen Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht, sonst hätten sie fünf Jahre Krise überhaupt nicht überstanden. Viele Unternehmen haben spannende Geschäftsmodelle, konnten aber wegen der Bankenkrise zuletzt keine Kredite mehr bekommen. Das ändert sich jetzt. Gleichzeitig ist der griechische Aktienmarkt nach einer Korrektur um fast 95 Prozent zurzeit einer der günstigsten Märkte weltweit.

procontra:
Hoffen Sie darauf, dass Griechenlands neue Regierung es richten wird?

Arbaras: Die Aussichten für Griechenland sind jetzt zumindest besser als mit den Vorgänger-Regierungen. Tsipras sagte, er habe bei seinem Amtsantritt verbrannte Erde vorgefunden. Das sagen viele neue Regierungschefs, aber in diesem Fall stimmt es tatsächlich. Tsipras hat keinen leichten Job, wird aber die breite Zustimmung in der Bevölkerung für Reformen nutzen.

procontra: Sollten Anleger nicht trotzdem abwarten, bis sich die Situation stabilisiert?

Arbaras: Die Geschichte zeigt, dass mit einem Einstieg in Zeiten wie der jetzigen die größten Gewinne erzielt werden. Nicht dann, wenn sich die Lage wieder beruhigt hat. Der beste Tag zum Einstieg wäre wahrscheinlich der 28. Januar gewesen, der Tag, an dem auch Nobelpreisträger Robert Shiller zu einem Investment in griechische Aktien geraten hat. Die Börse in Athen ist seitdem um 30 Prozent gestiegen. Anleger sollten also nicht zu lange warten.

procontra: Welche Unternehmen finden Sie jetzt besonders interessant?

Arbaras: Die Ölraffinerie Motor Oil ist zum Beispiel sehr gut aufgestellt. Der Hafen von Piräus ist ebenfalls ein interessantes Investment: Er entwickelt sich durch die Zusammenarbeit mit den Chinesen zu einem der größten Umschlagsplätze weltweit. Auch die griechische Börse, Hellenic Exchanges, ist für uns spannend, denn sie arbeitet sehr profitabel und zahlt hohe Dividenden.

procontra: Investieren Sie auch selbst in den Hellas Opportunities Fund?

Arbaras:
Natürlich. Und das tue ich nicht, weil ich gebürtiger Grieche bin. Bis 2012 habe ich mich überhaupt nicht mit dem griechischen Aktienmarkt beschäftigt, ich hielt ihn für viel zu teuer. Seitdem hat sich die Lage aber komplett geändert.

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