Kündigungswelle bei Bausparkassen

Sachwerte von Stefan Terliesner

Das Dauerzinstief am Kapitalmarkt bringt die Anbieter in Bedrängnis. Also kündigen sie Altverträge mit hohen Guthabenzinsen. Verbraucherschützer rufen zum Widerspruch auf.

Schätzungsweise 150.000 Bausparer haben von ihrer Bausparkasse ein Kündigungsschreiben erhalten oder sind aufgefordert worden, sich bei ihrem Anbieter zu melden. Damit lösen die Bausparkassen einen Sturm der Empörung aus. Den Anfang machte Wüstenrot. Bereits 2013 kündigte die private Bausparkasse rund 15.000 Altverträge. Jetzt folgten nochmals rund 30.000 Kündigungen. Um den Jahreswechsel herum haben sich insbesondere öffentlich-rechtliche Landesbausparkasse (LBS) von zig tausend Altverträgen getrennt. Der Grund für die Kündigungswelle: Die Niedrigzinsphase bringt nicht nur die Lebensversicherer, sondern auch die Bausparkassen in Bedrängnis.

Bonuszinsen werden zur Last
Nach Angaben von Verbraucherschützern haben viele Bausparkassen in den 1990er Jahren neuen Kunden einen besonders hohen Guthabenzins  angeboten. Zusätzlich zum traditionell eher geringen Sparzins versprachen sie einen Bonuszins von zum Beispiel 2 Prozent für jedes Jahr der Laufzeit in der das Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen wird. Diese Lockangebote fallen den Anbieter nun auf die Füße. Bei Wüstenrot zum Beispiel wird Medien zufolge jeder fünfte Vertag im Bestand mit mehr als 3 Prozent pro Jahr verzinst.

Die Verbraucherschützer rufen betroffene Kunden dazu auf,  „die Kündigung kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu widersprechen“. Indes bewegen sich die Beteiligten teilweise in einer rechtlichen Grauzone. Urteile durch den Bundesgerichtshof liegen zu diesen Fragen bisher nicht vor. Der Tipp der Verbraucherschützer: „Solange bei einem Vertrag noch nicht die volle Bausparsumme erreicht ist, sollten Bausparer jeder Kündigungen widersprechen.“ So haben vor allem die zur Sparkassengruppe gehörenden Landesbausparkassen viele Altverträge gekündigt, die seit mehr als zehn Jahren zur Zuteilung bereit stehen. Selbst bei solchen Verträgen ist die Bausparsumme nicht zwangsläufig erreicht, meinen Verbraucherschützer.

Bei übersparten Verträgen ist Kündigung zulässig
Anders gestalte sich die Lage, wenn die Bausparkasse nach Erreichen der Bausparsumme kündigt. Nach Auffassung der Anbieter ist die rechtliche Situation hier eindeutig: „Bei übersparten Verträgen, also solche, in denen das Ersparte die Bausparsumme übersteigt, ist eine Kündigung zulässig, denn der Zweck des Bausparens, die Krediterlangung ist entfallen“, betonen Vorstände von Bausparkassen.

Für Verbraucherschützer indes ist die Lage auch hier mitunter umstritten: „In einigen Tarifen haben die Kunden sogar dann, wenn die Bausparsumme erreicht ist, noch einen festen Darlehensanspruch, beispielsweise in Prozent der Bausparsumme.“ Ihr Ratschlag: „Solange Verbraucher noch einen Darlehensanspruch haben, sollten sie sich wehren.“

Die Erfolgsaussichten einer Klage lassen sich aktuell schwer einschätzen. Bausparen ist kein Geldanlageprodukt. Wer niemals baut oder modernisiert, braucht den Vertrag nicht. So argumentieren jetzt auch die Anbieter und drängen Besitzer von Verträgen mit hohen Zinsen aus dem Bausparkollektiv. Zuvor freilich haben einige Bausparkassen bewusst mit eben diesen hohen Zinsen neuen Kunden angelockt.

Foto: © Bastian Weltjen - Fotolia

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