Drahtseilakt zwischen LVRG und Solvency II

Versicherungen von Stefan Terliesner

Die Lebensversicherer werden ihre Kunden auch in Zukunft wohl weniger an ihren Überschüssen beteiligen. Zumindest der Garantiezins dürfte aber bis 2017 stabil bleiben. Altverträge profitieren.

„Die Maßnahmen des LVRG zeigen auf breiter Front Wirkung“, wird Reiner Will, Geschäftsführer von Assekurata, einer Ratingagentur speziell für Versicherer, in der Pressemitteilung anlässlich der Analyse zur Gewinnbeteiligung deutscher Lebensversicherer zitiert. Laut Will haben 64 Unternehmen an der Befragung teilgenommen, was einem Marktanteil von 89 Prozent entspricht. Will geht davon aus, dass zumindest bis 2017 der Höchstrechnungszins („Garantiezins“) stabil bleibt. Nachdem die Deutsche Aktuarvereinigung am Dienstag ihre Empfehlung in Höhe von weiterhin 1,25 Prozent bekanntgab, dürfte der Satz im kommenden Jahr tatsächlich konstant bleiben. In der Regel folgt das Bundesfinanzministerium dem Rat der Versicherungsmathematiker.

Ergebnisdruck durch Zinszusatzreserve
Für die Deklarationsrunde 2016 erwartet Assekurata keine Trendumkehr bei der Deklaration von sinkenden Gewinnbeteiligungen: „Eine Zinswende an den Kapitalmärkten ist nicht zu erkennen“, so Will. „Zugleich setzt sich der Ergebnisdruck durch weiter wachsende Aufwendungen für die Zinszusatzreserve fort und die Einführung von Solvency II zum 1. Januar 2016 setzt die Lebensversicherer im Hinblick auf eine stärkere Eigenmittelbildung zusätzlich unter Druck.“ Speziell zur jüngsten Überschussdeklaration siehe auch das procontra Beratertool LV-Check.

Laut Will macht sich die Absenkung des Garantiezinses direkt in der garantierten Beitragsrendite bemerkbar, welche die effektiv aufgewendeten Beiträge ins Verhältnis zur garantierten Auszahlung setzt. Diese bewege sich 2015, bezogen auf den Assekurata-Mustervertrag einer privaten Rentenversicherung, im arithmetischen Durchschnitt mit 0,42 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert (0,93 Prozent). Gemessen an der 2014 gesunkenen Inflationsrate von 0,90 Prozent (Vorjahr: 1,50 Prozent) könnten nur noch vier Lebensversicherer nach 25 Jahren auf Basis der Garantie einen realen Kapitalerhalt herstellen.

Laufende Verzinsung sinkt auf 3,33 Prozent
„Hierbei gilt es aber zu berücksichtigen, dass die Überschussbeteiligung mehr ist als der bloße Garantiezins“, betont Will. „Vielmehr entspricht sie einer Gesamtleistung, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt.“ 2015 sinke in der privaten Rentenversicherung die laufende Verzinsung, das heißt die Summe aus Garantiezins (1,25 Prozent) und laufendem Zinsüberschuss (1,91 Prozent), auf 3,16 Prozent. Im Vorjahr hatte sie bei 3,40 Prozent notiert. Über alle Tarifarten und -generationen hinweg gehe die laufende Verzinsung im Schnitt um 0,21 Prozentpunkte auf 3,33 Prozent zurück. Damit haben die Versicherer im Durchschnitt eine stärkere Absenkung als im Vorjahr (0,15 Prozentpunkte) vorgenommen, heißt es in der Pressemitteilung. Die Analyse zeige auch:  Für viele ältere Verträge gewähren die Versicherer eine höhere Verzinsung, sofern der Garantiezins über der laufenden Verzinsung liegt.

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