Deutsche unterschätzen ihre Lebenserwartung

Versicherungen von Christian Hilmes

Die durchschnittliche Lebenserwartung in den OECD-Staaten hat sich in den vergangenen 50 Jahren um etwa ein Jahrzehnt erhöht. Doch das ist bei vielen Deutschen noch nicht angekommen. Sie unter schätzen ihren Bedarf, privat fürs Alter vorzusorgen.

„Was schätzen Sie aus heutiger Sicht, wie alt Sie wohl in etwa werden?“, fragte das Marktforschungsunternehmen Ipsos jetzt im Auftrag der Ergo Versicherungsgruppe rund 1.000 Frauen und Männer im Alter von 16 bis 70 Jahren. Das Ergebnis der Umfrage: Weniger als 20 Prozent der Bundesbürger rechnen damit, 90 Jahre und älter zu werden. Doch Berechnungen von Versicherungsmathematikern zur durchschnittlichen Lebenserwartung der privat Rentenversicherten in Deutschland zeigen, dass sie viel zu pessimistisch sind: Mehr als die Hälfte der Deutschen werden voraussichtlich dieses hohe Alter erreichen. 

Insbesondere die heute 16- bis 39-Jährigen haben gute Chancen, ihren 90. Geburtstag zu erleben. Etwas geringer ist die Wahrscheinlichkeit mit 61 Prozent bei der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen. Auch von den Deutschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren wird mehr als die Hälfte wahrscheinlich noch mindestens zwei Jahrzehnte lang leben. „Die Menschen können sich freuen, dass sie heute fast doppelt so lange leben wie im 19. Jahrhundert“, erklärt Johannes Lörper (Foto rechts), Mitglied des Vorstands der Ergo Lebensversicherung und verantwortlich für den Bereich Versicherungsmathematik. 




Doch während die Ergo-Versicherungsmathematiker in ihren aktuellen Prognosen die gestiegene Lebenserwartung berücksichtigen, rechnen die Menschen nur selten damit. Das Problem: Die gesetzliche Rente wird bei Vielen kaum noch für einen angemessenen Lebensstandard reichen, erklärt Lörper. „Sie sinkt bis zum Jahr 2030 auf rund 44 Prozent des Bruttolohns - vor Steuern. Daran wird sich wohl kaum etwas ändern, weil es in Zukunft weniger Beitragszahler gibt.“ Immer wichtiger für die Bürger werde daher eine private Zusatzrente oder eine betriebliche Altersversorgung. 

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