Stresstest: Ein Viertel der Versicherer könnte wackeln

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA hat einen Stresstest durchgeführt. Im schlimmsten Szenario könnten 24 Prozent der Versicherer die Eigenkapitalvorschriften der kommenden Solvency II-Regeln nicht mehr erfüllen.

Zu den Ergebnissen des Versicherer-Stresstests führt die EIOPA in einer Pressemitteilung aus: "Ein Andauern der gegenwärtigen Niedrigzins-Bedingungen könnte bei einigen Versicherern dazu führen, dass sie in acht bis elf Jahren Schwierigkeiten bekämen, die Versprechungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen". Als volkswirtschaftliches Vergleichsbeispiel führt die EIOPA Japan an, wo das Zinsniveau seit Jahren praktisch bei Null liegt und auch die Vermögenswerte, gemessen am japanischen Aktienindex, keine dauerhafte Steigerung zeigen. 

Würden nun auch in Europa die Börsenkurse sinken, dann wäre das kritischste Szenario eingetreten: 24 Prozent der im Stresstest geprüften Versicherer könnten bei anhaltenden Niedrigzinsen die Kapitalhürden von Solvency II reißen. Nach Angaben der EIOPA betrifft das beschriebene Szenario vor allem Länder, also Versicherer, die ihren Kunden langjährige Garantien geben.

Gefahr eines „Doppelschlags“
Am dramatischsten wäre die Lage der Assekuranz bei dem, was die EU-Versicherungsaufsicht als "Doppelschlag" bezeichnet, wenn zu anhaltenden Niedrigzinsen noch ein Absturz an den Kapitalmärkten käme. Nach Berechnungen der EIOPA hätten im diesem Szenario nur noch 56 Prozent der Versicherer ausreichend Eigenkapital, das zudem um durchschnittlich etwa 42 Prozent schrumpfen würde. Kleine Versicherer seien ausgehend von der Marktsimulation der EIOPA stärker bedroht als Großkonzerne.

Hintergrund des Stresstests der EU-Aufsicht war eine Prüfung der Assekuranz auf ihre ausreichende Eigenkapitalausstattung für "Solvency II". Die Richtlinie bewertet das Kapitalanlagerisiko der Versicherer erheblich strenger als die zurzeit noch gültige Richtlinie Solvency I. Untersucht wurden von der EIOPA 60 Konzerne und 107 Einzelversicherer. Neben EU-Unternehmen wurden auch Anbieter aus Norwegen, der Schweiz und Island nach verschiedenen Krisenszenarien untersucht, die insgesamt 55 Prozent des Marktanteils in Europa repräsentieren.

14 Prozent der Unternehmen fallen durch
Deutsche Unternehmen waren nach Marktanteilen gerechnet mit etwas über 50 Prozent bei dem Stresstest repräsentiert. Im Gegensatz zum kürzlich von der EZB und den Notenbanken durchgeführten Banken-Stresstest nennt die EIOPA keine Unternehmensnamen und keine Einzelergebnisse. In einem weniger strengen Basis-Szenario kommt die EIOPA zu dem Ergebnis, dass derzeit 14 Prozent der Unternehmen Solvency II noch nicht erfüllen. Diese Versicherer repräsentieren allerdings nur drei Prozent der im Stresstest betrachteten Vermögenswerte.

Für die betroffenen Unternehmen habe die EU-Aufsicht nun Handlungsempfehlungen an die nationalen Aufsichtsbehörden gegeben, um die Versicherer auf ihre Schwachstellen hinzuweisen. 

Foto:© Leonardo Franko - fotolia.com

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