LVRG: Ringen um das zukünftige Provisionsmodell

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„Wer später bremst, fährt länger schnell
Horst Looser, Leiter Vertriebsangebotssteuerung Vorsorge bei AXA, betonte als Vertreter eines internationalen Konzerns die besondere Komplexität der LVRG-Umsetzung durch die Einführung eines neuen LV-Bestandsführungssystems am 01.01.2015. Als Anbieter von Vorsorgelösungen mit modifizierter Garantie bewertete Looser die Zukunftsaussichten der LV-Sparte aber durchweg positiv: „Die Lebensversicherung hat eine gute Chance, wenn sie sich ändert.“

Dies unterstrich auch Dr. Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des VDVM: „Das LVRG geht in die richtige Richtung.“ Er sprach sich für eine zügige Umsetzung aus. Als einer der wenigen Anbieter habe bisher nur die Stuttgarter auf Grundlage eines vom VDVM entwickelten Leitbildes das neue Provisionsmodell vorgestellt.  Es könne nicht sein, dass manche Gesellschaften nach der Devise „Wer später bremst, fährt länger schnell“ verfahren. „Die fliegen aber auch schneller aus der Kurve und brettern härter gegen die Wand!“, warnte Jenssen in diesem Zusammenhang. „Es kann nicht sein, dass die Auswirkungen des LVRG ausschließlich auf den Schultern des Vertriebes abgelegt werden“, appellierte auch Klein von VOTUM an die Gesellschaften. Bis Ende 2015 müsse die Branche dem Gesetzgeber zeigen, dass das LVRG zum Vorteil der Kunden umgesetzt würde. Ansonsten drohe die „Keule“ in Form der Provisionsdeckelung oder der weiteren Offenlegungsverpflichtung auch in anderen Sparten.

„Wo soll denn noch das Geld verdient werden?“
Auf die Produktwelt in der Lebensversicherung wirke sich die anhaltende Niedrigzinsphase ebenso wie die Anforderungen aus dem LVRG aus. Provokant fragte Bussert im Angesicht von Kapitalanlage-, Risiko- und Kostenergebnis mit Blick auf die stärkere Beteiligung der Kunden an den Risikoüberschüssen: „Wo soll denn noch das Geld verdient werden?“ Stark wachsende Gesellschaften müssten zudem jährlich intensiv in das Eigenkapital investieren, um den Anforderungen aus Solvency II gerecht zu werden. Der Gestaltungs- und Investitionsspielraum der Versicherer werde durch gesetzliche Rahmenbedingungen stark eingeengt, bestätigte Gothaer-Maklerchef Neumann. Bezogen auf die Risikoüberschüsse ergänzte Looser, dass bei AXA in den vergangenen Jahren die Kunden schon immer mit deutlich mehr als 75 Prozent beteiligt wurden, es aber schon ein Unterschied sei, ob man könne oder müsse. Kein großes Mitleid verspürte Jenssen an dieser Stelle: „Bei den Risikoüberschüssen ist die Versicherungswirtschaft in die Falle von Herrn Kleinlein gelaufen. Das Ziel war: Alle sollen bluten, und das ist erreicht worden.“ Auf die Frage, wer denn der Gewinner des LVRG sei, konstatierte Jenssen „Der Kunde.“ Das LVRG führe zu stabileren Lebensversicherern. Und das sei hinsichtlich der Angebotsbreite und -vielfalt eine positive Konsequenz für Kunden und Vermittler.

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