Fonds und Versicherer tauschen Immos gegen Zinsen

Investmentfonds Versicherungen Sachwerte von Christian Hilmes

Es herrscht reges Treiben auf den europäischen Märkten für Gewerbeimmobilien. Rund drei Viertel der Investitonen stammen von Fonds und Immobilien-AGen, Banken und Versicherungen. Deren Anlageentscheidungen werden immer mehr von den niedrigen Zinsen bestimmt.

So hoch wie zuletzt vor sechs Jahren stieg im vierten Quartal 2013 das Transaktionsvolumen des Handels mit Gewerbeimmobilien in Europa: 46 Milliarden Euro betrug das Transaktionsvolumen in den letzten drei Monaten des vorigen Jahres laut aktueller Studie „Investment Market Update Europe Q4 2013“ des Analysehauses DTZ Research. Damit steigt die Investitionssumme im Gesamtjahr gegenüber 2012 um 17 Prozent auf 139 Milliarden Euro.

Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt legte Ende 2013 europaweit einen besonders starken Schlussspurt hin und verzeichnete mit 11 Milliarden Euro Umsatz ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zum Vergleich: Der Markt in Großbritannien lag mit einem Plus von 31 Prozent bei 20 Milliarden Euro. Und Frankreich verzeichnete ein nur moderates Wachstum um „nur“ 8 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Interessanter sind laut DTZ-Strategiechef Nigel Almond jetzt kleinere Länder wie Irland, Italien und Spanien.

Finanzinvestoren dominieren Marktgeschehen
„Dominierende Investoren auf den europäischen Gewerbeimmobilienmärkten sind Immobilienfonds, börsennotierte Immobilienunternehmen, Banken, Versicherungen und Pensionskassen“, so Almond weiter. „Zusammen stehen sie für 76 Prozent des Transaktionsvolumens.“ Netto betrachtet, haben Immobilienfonds mehr ge- als verkauft: Zwischen Oktober und Dezember 2013 investierten sie netto 933 Millionen Euro. Banken und Versicherungen steigerten ihre Netto-Investitionen auf 1,3 Milliarden Euro. Die börsennotierten Immobilienunternehmen sind dagegen Netto-Käufer.

Für 2014 erwartet Magali Marton, Chefanalyst für die EMEA-Region bei DTZ, dass das gesamteuropäische Transaktionsvolumen um 8 Prozent auf 150 Milliarden Euro wächst. Das liege auch am Einstieg weiterer Großanleger aus Übersee. Marton: „Der Appetit ausländischer Investoren nimmt weiter zu, insbesondere Investoren aus Asien sind in Europa sehr aktiv. Auf Netto-Basis gesehen repräsentierten nicht-europäische Investoren im vierten Quartal 2013 ein Investitionsvolumen von 7 Milliarden Euro.“

Investoren wollen aus der Sicherheitszone
Risikoappetit bekommen auch immer mehr europäische Invesotren, zeigt eine Umfrage für Union Investment Real Estate unter 168 Immobilienunternehmen und institutionellen Anlegern in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Demnach sind 60 Prozent der britischen Immobilieninvestoren bereit, höhere Risiken auf sich zu nehmen. Auch in Frankreich ist ein Trend weg vom reinen Sicherheitsdenken hin zu renditestarken Investments zu erkennen. Rendite nennen dort derzeit 44 Prozent der Befragten als wichtigstes Anlagekriterium. In Deutschland werden Rendite und Sicherheit von den Anlegern als gleichermaßen wichtig erachtet.  

Darüber hinaus verstärke sich der Trend zu Beteiligungen an Projektentwicklungen. „Etwa die Hälfte unseres eigenen Investmentvolumens der vergangenen zwei Jahre in Hähe von etwa 4,5 Milliarden Euro entfiel bereits auf Projektkäufe“, erklärt Dr. Reinhard Kutscher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate. „Das aktuelle Niedrigzinsumfeld beeinflusst die Investitionsentscheidungen europäischer Akteure immer nachhaltiger.“

Seite 1: Fonds und Versicherer tauschen Immos gegen Zinsen
Seite 2: Das sind Deutschlands teuerste Gewerbestandorte


Foto: © industrieblick - Fotolia.com