Die Deutschen „riestern“ zu wenig

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Weil die Anzahl der Verträge nur noch langsam steigt, viele Verträge nicht mehr bespart werden und Zulagen liegen bleiben, denken auch Politiker inzwischen über einen Zwang zur Altersvorsorge nach.

Grüne und schwarze Politiker denken laut über eine Art Zwangs-Riester nach. Weil die Gesamtzahl der Verträge nur noch langsam steigt, erwägt der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse Karl-Josef Laumann, die geförderte private Zusatzaltersvorsorge verpflichtend einzuführen. „Die Riester-Rente hat nicht die Stärke erreicht, die wir angenommen haben“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) den Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Und nach Einschätzung des Grünen-Rentenpolitikers Markus Kurth droht in Deutschland sogar ein starker Anstieg der Altersarmut, weil junge Menschen zu wenig zusätzlich vorsorgen, obwohl das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt.

Die FAZ nennt Zahlen, die Kurth beim Bundesfinanzministerium erfragt hat: Demnach wurden in Deutschland zum Zeitpunkt der Anfrage 15,9 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen (per 30.09.14: 16,01 Millionen). Nur auf 12,7 Millionen Verträge werden noch Beiträge eingezahlt. Und nur 6,4 Millionen Riester-Sparer zahlen den vollen Satz von vier Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens ein, nur sie bekommen also die volle Zulage – vier Millionen Frauen und 2,4 Millionen Männer. Laut FAZ hat die Bundesregierung hier deutlich mehr Zuspruch erhofft, denn insgesamt könnten hierzulande 35,7 Millionen Menschen „riestern“.

Gesetzliches Rentenniveau sinkt
Die Abstinenz bei der Riester-Rente steht im Widerspruch zu den Reformzielen der rot-grünen Bundesregierung vor gut zehn Jahren  sowie jeder Bundesregierung seitdem. Laut Rentenbericht wird das gesetzliche Rentenniveau vor Steuern im Jahr 2028 nur noch 44,4 Prozent des Durchschnittseinkommens der Beschäftigten erreichen. Aktuell beträgt das Niveau 48 Prozent. In Zukunft wird das gesetzliche Rentenniveau also sinken.

An dieser Stelle kommt die Riester-Rente ins Spiel. Insbesondere mit ihrer Hilfe soll 2028 das Gesamtniveau (gesetzliche Rente plus Riester-Rente) bei gut 50 Prozent liegen. Nur wer zusätzlich privat vorsorgt, wird im Alter seinen Lebensstandard halten können, so das Credo jeder Regierung seit Einführung und Umsetzung der "Agenda 2010“. Doch ebenso lange hält die Kritik an der Riester-Rente an: zu kompliziert, zu intransparent, heißt es. Das trägt natürlich mit dazu bei, dass viele Bundesbürger sich bisher nicht für das Produkt erwärmen können. Das Zinstief indes kann kein Grund sein, denn neben Riester-Versicherungen gibt es ja auch noch Riester-Fonds und den so genannten Wohn-Riester.

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