„Die Demografische Zeitbombe tickt“

Panorama von Stefan Terliesner

In 15 Jahren müssen 100 Personen im Erwerbsalter 47 Menschen im Rentenalter finanzieren. Dann droht der Demokratie eine Zerreißprobe. Rentenzuschlag für Erziehungsarbeit ist einer der Vorschläge in der politischen Diskussion.

Hans-Werner Sinn (Foto unten), Präsident des ifo Institut in München, warnt vor einer „demografischen Zeitbombe“: „Die Babyboomer, die 1964 geboren wurden, sind jetzt 50 Jahre alt und wollen in 15, wenn nicht 13 Jahren ihre Rente beziehen. Doch durch die Kombination besonders vieler Alter mit besonders wenigen Jungen entsteht ein fast unlösbarer, aber jetzt schon genauestens vorhersehbarer Generationenkonflikt.

Im Jahr 2000 mussten 100 Personen im Erwerbsalter (15 - 64 Jahre) 24 Personen im Rentenalter (ab 65 Jahre) finanzieren – 2011 waren es schon 31 Personen. In 15 Jahren werden knapp 47 und in 20 Jahren schon 55 Personen zu finanzieren sein, mehr als doppelt so viele wie zum Beginn dieses Jahrhunderts.“ Dies geht aus dem einem aktuellen „ifo Standpunkt 159“ hervor.

Nur 8,4 Geburten pro 1000 Einwohner
Dort schreibt der Volkswirt weiter: „In der Geburtenstatistik der OECD steht Deutschland weit unten: Mit 8,4 Geburten pro 1000 Einwohner hat es sich 2012 vom letzten Platz, den es sehr lange innehatte, vor Japan auf den zweitletzten Platz vorgerobbt. Und auch dies gelang nur wegen der Einwanderer, deren Kinder mittlerweile ein Drittel der Neugeborenen in Deutschland ausmachen. Ohne sie lägen wir weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Geburtenstatistik.

Noch ahnen die Babyboomer nicht, was ihnen blüht, weil sie von einer glücklichen und historisch einmaligen Konstellation profitieren. Noch nie hat es in der Geschichte Deutschlands eine Gruppe von 50-Jährigen gegeben, die relativ gesehen so wenige alte und junge Menschen miternähren musste wie heute. Vorläufig wird es sie auch nie wieder geben. Die Finanzierung der Eltern können sich die Babyboomer mit ihren vielen Geschwistern teilen, und die Finanzierung der Kinder entfällt mangels Masse. Deshalb bleibt viel Geld für einen beispiellosen Konsumstandard übrig.

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Foto: © El Gaucho - Fotolia; ifo Institut

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