Debatte um Vergütung geht an Realität vorbei

Berater Top News von Stefan Terliesner

Verbraucher haben ein falsches Verständnis von Honorarberatung. Wirkung von Provisionen weitgehend unbekannt. Bewusste Entscheidung für eine Entlohnungsform findet nicht statt.

Die in der Finanzdienstleistungsbranche geführte Diskussion um Vergütungsformen in Form von Provisions- oder Honorarberatung und deren Vor- und Nachteilen geht an der Lebensrealität der meisten Verbraucher vorbei. Dies ist ein Ergebnisse der Studie des PFI Private Finance Institute der EBS Business School zur „Bedeutung von Vergütungsstrukturen im Nachfrageverhalten nach Finanzdienstleistungen“. So hätten von den mehr als 1.000 befragten Verbrauchern über die Hälfte bisher keinen Kontakt zu diesem Thema gehabt. Von den 46 Prozent der Befragten, die schon mal von Honorarberatung gehört hatten, konnten lediglich 28 Prozent das Konzept der Honorarberatung richtig beschreiben, berichtet das Institut.

Wer Geld hat, kennt Honorarberatung
In einer Pressemitteilung heißt es: In der Detailbetrachtung fällt auf, dass insbesondere Befragte mit höherer finanzieller Allgemeinbildung beziehungsweise höherem Geldvermögen überproportional häufig von Honorarberatung gehört haben. Dies offenbare, dass die mit dem „Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente“ auch erst seit dem 15. Juli 2013 erstmals gesetzliche verankerte Honoraranlageberatung den meisten Verbrauchern kein Begriff sei bzw. hierzu keine klaren Vorstellungen existierten. So nutzten lediglich 2,5 Prozent der Befragten bisher ein Honorarberatungsangebot.

Üblicherweise werde die Beratungsleistung im Kontext von Finanzdienstleistungen durch Provisionen vergütet, die von den Produktanbietern an die Berater gezahlt werden. Die Studie habe ergeben, dass diese Vergütung und ihre Wirkungsweise nur einer Minderheit der Befragten (17 Prozent) bewusst seien. So meinten fast zwei Drittel der Teilnehmer, dass eine Beratung in finanziellen Angelegenheiten durch Banken, Sparkassen und andere Finanzdienstleister kostenlos sei. Das Honoraranlageberatungsgesetz benenne die Überwindung dieses Wissensdefizits als Ziel: „Durch eine gesetzliche Ausgestaltung der honorargestützten Anlageberatung soll mehr Transparenz über die Form der Vergütung der Anlageberatung geschaffen werden, so dass sich ein Kunde künftig bewusst für die provisionsgestützte Anlageberatung oder für die nichtprovisionsgestützte Honorar-Anlageberatung entscheiden kann.“ (Auszug aus dem Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente).

Annahme eines umfassend informierten Verbrauchers
Der Gesetzgeber gehe somit von einer bewussten Entscheidung eines umfassend informierten Verbrauchers für oder gegen eine bestimmte Vergütungsform aus. Unter den Verbrauchern sei jedoch eine derartige bewusste Entscheidung nicht festzustellen. „Das Antwortverhalten der befragten Verbraucher lässt den Schluss zu, dass die Verbraucher sich nicht bewusst für das generell dominierende Provisionsmodell entschieden haben“, erläutert Studienautor Rolf Tilmes. Mangelnde (Detail-) Kenntnis scheine dazu zu führen, dass Honorarberatung bisher nicht als alternative Vergütungsform wahrgenommen wird. Um einer derartige bewusst Entscheidung herbeizuführen, bedürfe es daher zum einen einer besseren finanziellen Allgemeinbildung, die bereits in der schulischen Ausbildung verankert werden sollte. Zum anderen sollten bereits junge Verbraucher frühzeitig an Themen wie Geldanlage und Vorsorge herangeführt werden, um derart wichtige Entscheidungen später nicht ohne Grundlagenwissen, Vorbereitung und damit völlig unvorbereitet treffen zu müssen, so die Meinung des Instituts.

Foto: © Denis Junker