„Regeln zum Tarifwechsel machen PKV attraktiver“

Versicherungen von Stefan Terliesner

25 private Krankenversicherer stimmen dem neuen Verhaltensleitfaden des PKV-Verbandes zu. Sie verpflichten sich zu einer transparenten und kundenorientierten Tarifwechselberatung – aber erst ab dem Jahr 2016.

Na geht doch! Lange hat ein Großteil der Versicherer das Tarifwechselrecht ihrer Kunden gemäß Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) ignoriert oder blockiert. Jetzt stimmen 25 Anbieter den neuen Leitlinien des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) zu. Die Liste reicht von A wie Allianz bis W wie Württembergische. Eine Aufzählung aller teilnehmenden Versicherer finden Leser am Ende dieses Artikels.

Der PKV-Verband hatte den Leitfaden im Juni angekündigt und gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Zuvor gingen lediglich DKV und HUK-Coburg offensiv mit dem Thema um. Beide Versicherer bieten ihren Kunden in der Vollversicherung einen Online-Tarifcheck inklusive Tarifwechselrechner an; die DKV seit Juni 2013 und HUK-Coburg seit Anfang 2014.

Schaden von der Branche abwenden
Mit der bisher praktizierten Vogel-Strauß-Politik der meisten Versicherer war das bei den Anbietern ungeliebte Thema Tarifwechsel natürlich nicht vom Tisch. Denn immer mehr findige Tarif- und Beitragsoptimierer sowie große Maklerunternehmen sagten sich von den Produktanbietern los und spezialisierten sich auf die Tarifwechselberatung.

Unter den „Tarifoptimierern“ finden sich freilich auch einige „schwarze Schafe“, die Kunden möglichst billige Tarife mit nicht bedarfsgerechten Leistungen vermitteln, weil sich ihr Honorar an der Höhe der Einsparungen bemisst. procontra hat in der Ausgabe April/Mai 2014 darüber berichtet. Mit dem nun vorgestellten Leitfaden will der PKV-Verband diesen „Tarifoptimierern“ den Wind aus den Segeln nehmen - und die PKV-Branche vor erneuter Kritik an ihren Methoden schützen. Die Verhaltensregeln sollen ab 2016 verbindlich gelten.

Lob für die Verbandsinitiative
Die Verbandsinitiative wird von unterschiedlichen Seiten begrüßt. Für die Kölner Assekuranz Rating-Agentur Assekurata gewinnt die private Krankenversicherung dadurch an Attraktivität. Eine bisher bestehende Beratungslücke werde geschlossen. Der Bund der Versicherten (BdV), der seine Mitglieder seit Jahren auf ihr Tarifwechselrecht hinweise, sieht in dem Service des Verbandes einen „Weg in die richtige Richtung“, moniert aber, dass der Leitfaden in vollem Umfang erst 2016 von den teilnehmenden Unternehmen umgesetzt werden muss.

Bedauerlich findet BdV-Pressereferentin Bianca Boss, dass sich nur etwas mehr als die Hälfte der PKV-Verbandsmitglieder an dem Service beteiligen wollen: „Unternehmen mit einer unüberschaubaren Tarifvielfalt wie die Central haben sich leider ganz aus der Verantwortung gestohlen und lassen ihre Kunden damit im Regen stehen“, wird sie in einer Pressemitteilung des BdV zitiert.

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Foto: © Coloures-pic - Fotolia 

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