„Provisionsverbot verursacht Kollateralschäden“

Versicherungen von Christian Hilmes

Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat Deutschlands oberster Versicherungsaufseher vor einem nationalen Provisionsverbot nach britischem Vorbild gewarnt. Die dortige Vertriebsregulierung beschere Einkommensschwachen Probleme, ihre Altersvorsorge zu planen.

Das vor knapp zwei Jahren in Großbritannien eingeführte Verbot von Provisionen an Finanzvermittler ist kein Vorbild für Deutschland. Das verdeutlichte Felix Hufeld, Exekutivdirektor für die Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin, Foto oben), jetzt auf einer internationalen Konferenz zur Versicherungsaufsicht (Foto unten).

Auf Einladung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) referierte Hufeld in Berlin über die zukünftige Aufsichtspraxis hierzulande. Beim EU-Partner Großbritannien stehe der eingeschlagene Weg der Versicherungsregulierung derzeit wieder in der Diskussion. Das dortige Provisionsverbot verfolge ein „finanzregulatorisches Motiv“, führt dabei aber auch zu „sozialpolitischen Kollateralschäden“. Schließlich ist nicht jeder Kleinanleger bereit, ein Honorar für eine Finanzberatung zu bezahlen.  

Regeln für Vertrieb und Produktentwicklung
Für Deutschlands Versicherungsaufsicht der Zukunft sei es wichtig, die Wünsche nach einem funktionsfähigen Markt einerseits und dem Schutz der Verbraucher andererseits abzuwägen. Hufeld: „Es wäre verfehlt, einzelne Ziele zu verabsolutieren, ohne den Gesamtrahmen zu sehen.“ Sowohl für Vertrieb als auch Produktentwicklung der deutschen Assekuranz sei eine verhaltensorientierte Aufsicht erstrebenswert. Es dürfe aber keine einfache Übernahme der für den Wertpapierbereich geformten Vertriebsregeln der Mifid-Richtlinie für die Versicherungsbranche geben.

Für die Produktentwicklung der Versicherer darf es laut Hufeld nicht zum Aufbau von Markthindernissen kommen. Vor allem dürfe eine strengere Aufsicht aber „kein Übermaß an Anforderungen“ herbeiführen. Genau das befürchtet der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM). Dessen Präsident Peter Wesselhoeft zufolge droht Deutschlands Vermittlern mit den geplanten Änderungen im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) eine neue Kostenlawine. Wie die für 2016 geplante Umsetzung der EU-Richtlinie Solvency II in nationales Recht aussehen soll, wird voraussichtlich im November im Bundestag debattiert.

Fotos: procontra

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