Kaum Interesse an Honorarberatung

Berater von Stefan Terliesner

Nur jeder fünfte Bundesbürger würde für eine gute Finanzberatung bezahlen; und dann oft auch nur bis zu 50 Euro. Bei Jüngeren steigt der Anteil auf gut ein Drittel. Allgemein große Unsicherheit.

Die große Mehrheit der Bundesbürger (74 Prozent) kann sich nur schwer vorstellen, für eine gute Versicherungs- oder Finanzberatung ein Honorar zu bezahlen. Jeder fünfte Bundesbürger würde hingegen bezahlen. Die durch das Honorarberatungsgesetz, das am 1. August in Kraft getreten ist, ermöglichte Beratung gegen Bezahlung findet bei den Deutschen bisher wenig Anklang. Etwas aufgeschlossener sind dabei Jüngere (18 bis 24 Jahre). Unter ihnen würde rund jeder Dritte (36 Prozent) für ein Beratungsgespräch Geld auf den Tisch legen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Service Rating GmbH, einer Tochtergesellschaft der YouGov Deutschland AG in Köln.

Beratung müsste 400 Euro kosten
Laut Pressemitteilung spiegelt sich die geringe Akzeptanz auch in der Höhe der Bezahlung wider: Für eine Versicherungsberatung (2x2 Stunden inkl. Angebotsberechnung und Vorbereitung von Unterlagen) würde knapp die Hälfte der Befragen (47 Prozent) nicht mehr als 50 Euro bezahlen wollen. 18 Prozent würden zwischen 50 und 100 Euro ausgeben und gerade einmal fünf Prozent würden zwischen 100 und 200 Euro. Nach Schätzung von Branchenexperten müsste eine solche Beratung aber knapp 400 Euro kosten, um den notwendigen Aufwand widerzuspiegeln.

Am ehesten würden die Befragten für die Versicherungs- oder Finanzberatung bezahlen, wenn sie im Gegenzug beim Abschluss die Beraterprovision einmalig gutgeschrieben bekommen (28 Prozent). Eine qualitativ hochwertige Beratung sowie ein kompetenter Berater stellen für immerhin 18 Prozent der Befragten einen guten Grund für die Honorarberatung dar. Jeweils 16 Prozent würden für die Beratung bezahlen, wenn diese von Anbietern und Beratern unabhängig ist oder der Berater die Interessen des Kunden verfolgt. Die hohe Unsicherheit zum Thema spiegelt sich aber in 22 Prozent der Antworten für „weiß nicht“ wider, berichtet Service Rating.

Verkauf gegen Provision hat die Nase vorn
„Trotz des Angebots der Honorarberatung haben die klassischen Vertriebswege auf Provisionsbasis weiterhin im Service- und Beratungsbereich von Finanzdienstleistungen die Nase vorn. Um Verbrauchern den optimalen Service zu bieten, kann die Wahlmöglichkeit zwischen einer Honorarberatung oder dem Provisionsmodell ein guter Mittelweg sein.“ wird Kai Riedel, Geschäftsführer bei ServiceRating, im Pressetext zitiert.

Für die Umfrage seien insgesamt 1.068 Personen vom 1. bis 6. Oktober 2014 repräsentativ befragt worden.

Foto: © Light Impression

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