Assekuranz entdeckt ungelistete Vermögenswerte

Versicherungen von Stefan Terliesner

Studie zur Vermögensaufstellung globaler Versicherer belegt Interesse an Immobilien und Infrastruktur. Risikobereitschaft der Investoren nimmt zu.

Versicherungskonzerne wenden sich verstärkt nicht über die Börse handelbaren Vermögenswerten zu. Damit wollen Investoren die Risiken, mit denen ihr Geschäft traditionell behaftet ist, stärker streuen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Vermögensverwalters Blackrock, an der Versicherer mit einem Anlagevolumen von über 6,2 Billionen Dollar teilgenommen haben.

Laut der Pressemitteilung von Blackrock wollen die Versicherer auf diese Weise ihre Portfoliorenditen absichern und die Deckung ihrer Zahlungsverpflichtungen gewährleisten. Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums, niedriger Anleiherenditen und der lockeren Geldpolitik, würden viele Versicherer ihre Vermögensaufstellung neu gestalten. Laut Studie hat sich die Anzahl der Versicherer, deren Portfolios zu mehr als 15 Prozent aus ungelisteten Vermögenswerten bestehen, in den vergangenen drei Jahren auf 26 Prozent vervierfacht. Bis zum Jahr 2017 dürfte sich die Quote erneut fast verdoppeln, so die Vermutung.

David Lomas, Leiter des globalen Versicherungsgeschäftes bei Blackrock, sagt laut Pressetext: „Die Devise lautete früher fast schon: Morgens Anleihen kaufen, nachmittags ausruhen. Aber nun stehen die Versicherer vor der Herausforderung eines weitaus komplexeren Umfeldes. Unsere Studie zeigt, dass Versicherer einen Richtungswechsel hin zu ungelisteten Vermögenswerten einschlagen müssen, um ihre Ertragsquellen breiter zu streuen und ihre Eigenkapitalrenditen beizubehalten.“

Bessere Risikostreuung
Die mageren Erträge klassischer Zinspapiere würden dazu führen, dass Versicherer vermehrt Portfoliorisiken in Kauf nehmen. Weltweit plane im Durchschnitt einer von drei Versicherern, höhere Risiken einzugehen. Davon würden sich 68 Prozent gleichwertige oder höhere Kapitalerträge erhoffen, 66 Prozent wiesen auf eine bessere Risikostreuung hin. Nur 15 Prozent beabsichtigen der Studie zufolge, ihre Portfoliorisiken zu reduzieren. Dazu Lomas: „Die Herausforderungen bei Zinspapieren sind bekannt. Interessant ist jedoch, wie sehr CIOs offenbar von Dingen wie Immobiliendarlehen und Infrastrukturwerten überzeugt sind. Dabei scheinen die Branchenführer sich mit illiquiden Vermögenswerten besonders wohl zu fühlen, wenn es darum geht, Erträge zu erzielen. Grundsätzlich gilt, dass man höhere Risiken immer maßvoll und gezielt eingehen sollte.“

Neuland erforschen
Die Neuaufteilung der Vermögenswerte ist der Studie zufolge mit Herausforderungen verbunden. Denn die Versicherer müssten gewissermaßen Neuland erforschen und dort investieren. Zwei Fünftel der befragten Versicherer wiesen auf fehlenden Zugang zu relevante Anlagemöglichkeiten hin. Ebenso viele hätten Bedenken geäußert hinsichtlich der Preise und Transparenz ungelisteter Vermögenswerte. Etwa ein Drittel der Versicherer sei sich zudem unsicher, wie die Regulierungsbehörden entsprechende Veränderungen in der Vermögensaufstellung bewerten würden.

„Die Risikomerkmale dieser Anlagen unterscheiden sich von denen der klassischen Anlagen, die Versicherer bislang normalerweise gekauft haben. Die Komplexität der Rotation hin zu ungelisteten Vermögenswerten kann Investoren vor Herausforderungen stellen. Das Renditepotenzial und der Inflationsschutz, die Effekte für die Risikostreuung und die Risikoprofile, welche solche Anlagen ins Portfolio bringen, können die Herausforderungen aber wert sein“, meint Lomas.

Zur Studie: Economist Intelligence Unit hat im Auftrag von Blackrock 243 Führungskräfte aus Versicherungs- und Rückversicherungskonzernen weltweit befragt. Ziel sei es, zu verstehen, wie diese auf den Druck reagieren, der auf ihren Zinsportfolios lastet, und inwiefern sie ungelistete Vermögenswerte wie Immobilien und Infrastruktur als Anlagemöglichkeit betrachten.

Foto: © hainichfoto

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