App-Solution für defensive Fahrer

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Jungen Kunden bietet eine neue Telematik-App der Signal-Iduna einen Beitragsrabatt für defensives Fahren. Anders als andere Systeme speichert die App keine Positionsdaten und bietet eine Art Unfalldatenschreiber.

Seit einigen Jahren betreibt die Signal-Iduna mit ihrer Marke Sijox einen Zielgruppenanbieter, der junge Menschen zu Versicherungskunden machen soll. Dieser auch „Generation Y“ genannten Gruppe der unter 30-jährigen und technikaffinen Menschen offeriert die Signal-Iduna jetzt eine Telematik-App für die Kfz-Versicherung. „AppDrive“ heißt das Angebot und lockt bereits zum Start mit einem Beitragsrabatt von 15 Prozent, teilt das Unternehmen mit. Teurer könne die Prämie nicht werden, nur günstiger - wenn der Fahrer mitspielt.

Defensive Fahrweise, oder das, was ein im System eingebauter Algorithmus darunter „versteht“, soll die Kfz-Prämie um weitere bis zu 25 Prozentpunkte senken. Technisch löst die Signal-Iduna den Angaben zufolge die Telematikanalyse einfacher als etwa die Sparkassen-Direktversicherung. Letztere hat bereits einen solchen Tarif im Angebot. Statt des Einbaus eines Zusatzgeräts für die Auswertung der Fahrweise setzt der Dortmunder Versicherer auf einen Dongle. Dies ist ein Aufsatzstecker, der an die Service-Schnittstelle (OBD), die jedes moderne Fahrzeug hat, gesteckt wird. 

Bluetooth-Dongle 
Sodann sendet der Dongle die Fahrdaten, genauer die Fahranalyse, via Kurzstreckenfunk Bluetooth an das Smartphone, dessen entsprechende App die Fahrweise des Piloten auswertet und anzeigt. Abweichend vom System der Sparkassen-Direkt verzichtet das System auf GPS-Daten. Positionsdaten, die nicht erfasst werden, könnten weder ein böswilliger Versicherer, noch ein Hacker missbrauchen. Für viele Autofahrer, die aus Datenschutzgründen mit einem telematischen Versicherungstarif hadern, kann der Verzicht auf GPS-Speicherdaten ein Argument pro Telematikversicherung sein. 

Ein wesentliches Messkriterium der „DriveApp“ sei ein Beschleunigungssensor, der neben Kavalierstarts oder Gewaltbremsungen auch Querbeschleunigungen misst und im Folgeschritt die Prämie tarifiert. Dessen Technologie kommt den Angaben zufolge von dem niederländischen Spezialisten Tomtom, Marktführer bei Navigationssystemen. Hinzu kommen demnach Fahrzeugdaten wie zum Beispiel die Gaspedalstellung oder Fahrtempo. 

Unfalldatenschreiber 
Bei einem Unfall können die Fahrdaten, laut Angaben des Versicherers bis zu 100 Parameter, ausgelesen werden, so dass die Telematik-App im Falle des Falles wie ein Unfalldatenschreiber funktioniert. Dessen Aufzeichnungen jedoch dürften nicht jeden Fahrer für ein Telematiksystem begeistern, wenn „Big Brother“ ständig mitfährt. Andererseits dient der virtuelle Unfallzeuge der Beweissicherung, wenn der defensive Fahrer unverschuldet in einen Verkehrsunfall gerät. Bisher stehen die Chancen für die Telematik-Versicherung halbe-halbe. Das ergab im vergangenen Jahr eine Studie von Simon Kucher.

Foto: Video Signal-Iduna/ Sijox

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