Beraterhaftung: Fonds rutschen in höhere Risikoklasse

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Viele Fonds sind seit Jahresbeginn in eine höhere Risikoklasse gerutscht. Makler müssen ihre Kunden über solche Änderungen zeitnah informieren, sonst drohen Haftungsrisiken.

Martin Stenger, Fidelity

Setzt bei Fidelity auf Fonds mit festen Risikoklassen: Vertriebsspezialist Martin Stenger. Bild: Fidelity

Die Marktturbulenzen der vergangenen Monate haben die Fondsbranche durcheinander gewirbelt. Viele Fondsmanager verzeichneten Verluste. Einige konnten die Kursstürze zwar abfedern, kehrten aber nicht schnell genug in den Markt zurück und verpassten die folgende Erholung. Die Probleme der Manager spiegeln sich in den Performancezahlen der Fonds wider.

Eine weitere Folge der Turbulenzen: viele Fonds rutschen in eine höhere Risikoklasse. Das hat Folgen für den Berater. Die Angabe der Risikoklasse eines Fonds ist Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerinformationen. Um herauszufinden, in welche der sieben Risikoklassen ein Fonds gehört, wird der sogenannte Synthetic Risk and Reward Indicator oder Synthetische Risiko-Rendite-Indikator herangezogen. Er basiert auf der Schwankungsbreite des Portfolios in den vergangenen fünf Jahren. Schwankte ein Fonds in diesem Zeitraum nur sehr wenig, wird er in Risikoklasse 1 einsortiert. Schwankte er dagegen sehr stark, steht er in Risikoklasse 7.

Investmentgesellschaften müssen den SRRI bei Auflage eines Fonds ermitteln und wöchentlich überprüfen. Ändert sich der Wert, sind sie dazu verpflichtet, die Angaben zur Risikoklasse im Key Investor Information Document (KIID) anzupassen. Das war in den vergangenen Monaten wegen der starken Kursschwankungen besonders oft der Fall.

Auf Berater kommt mehr Arbeit zu

Für Finanzberater ist es ungünstig, wenn ein Fonds die Risikoklasse wechselt. Sie empfehlen schließlich Produkte, die zur Risikotoleranz ihrer Kunden passen – und manch ein Fonds passt nach der Neuklassifizierung nicht mehr. Haben Berater mit ihren Kunden vereinbart, das Portfolio regelmäßig zu überprüfen, müssen sie sie über solche Änderungen so schnell wie möglich informieren. Tun sie das nicht, können sie für Verluste haftbar gemacht werden. In Zeiten, in denen die Märkte stark schwanken und viele Fonds die Risikoklasse wechseln, bedeutet das eine Menge Arbeit. Und die wird noch zunehmen: Die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II, die ab Januar 2018 umgesetzt werden soll, sieht für Vermittler eine Nachberatungspflicht für die gesamte Dauer des Investments vor.

Die jüngsten Neuklassifizierungen trafen viele bekannte Produkte. So rutschte etwa der Aktienfonds UniGlobal von Union Investment Anfang dieses Jahres von Risikoklasse 5 in Risikoklasse 6, zeigen Daten der Fondsratingagentur Morningstar. Auch der Franklin-Templeton Growth wechselte zu Jahresbeginn von Klasse 5 in Klasse 6. Ebenso der Skagen Global, der Loys Global und viele andere Produkte. Weitere dürften folgen. „Je länger die Märkte stark schwanken, desto mehr Fonds werden in höhere Risikokategorien rutschen“, sagt Morningstar-Analystin Barbara Claus. Es geht aber auch in die andere Richtung. Fonds, deren Manager sich sehr defensiv positionierten, wurden einer niedrigeren Risikoklasse zugewiesen. So wechselte etwa der Mischfonds Ethna-Aktiv A im Frühjahr von Risikoklasse 4 in Risikoklasse 3.

 

Hoch und runter
NameISINPerformance laufendes Jahr in %Performance 1 Jahr in %Performance 3 Jahre p.a. in %Risikoklasse
Acatis Aktien Global Fonds UI ADE0009781740-1,5-10,98,36 (seit 4. April 2016, vorher 5)
ARERO – Der WeltfondsLU03608638634,9-3,05,95 (seit 8. Juli 2016, vorher 4)
Deutsche Concept Kaldemorgen FCLU05999472713,60,86,44 (seit 12. Februar 2016, vorher 3)
Ethna-AKTIV ALU0136412771-3,6-6,42,93 (seit 30. Mai 2016, vorher 4)
LOYS Sicav - LOYS Global PLU01079440421,8-3,58,26 (seit 9. Juni 2016, vorher 5)
Phaidros Funds - Balanced ALU02955857481,5-3,35,94 (seit 20. Mai 2016, vorher 5)
SKAGEN Global ANO0008004009-2,8-6,96,46 (seit 18. Februar 2016, vorher 5)
UniGlobalDE0008491051-0,10-5,6710,666 (seit 10. Februar 2016, vorher 5)

 

 

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