Immer weniger Riester-Versicherungen

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Im ersten Halbjahr ist der Bestand an Riester-Versicherungen wieder gesunken. Auch mit dem Marktanteil der geförderten Renten geht es bei der Assekuranz weiter bergab. Profiteure sind die Bausparkassen.

Das Bundesarbeitsministerium hat die neuesten Riester-Zahlen veröffentlicht und nennt zum 30. Juni fast 16 Millionen Förderverträge. Hierbei handelt es sich nach Angaben das Ministeriums um den Saldo, der die Zu- und Abgänge in den Beständen berücksichtigt. Im ersten Halbjahr haben unterm Strich 60.000 mehr Menschen einen Riester-Vertrag abgeschlossen; davon immer weniger Riester in Versicherungsform.

Für die Versicherer steht in der Halbjahresbilanz ein Minus von rund 45.000 Verträgen, während Wohn-Riester prosperiert. Plus 110.000 Verträge schlugen bei den Bausparkassen zu Buche. Banken und Fonds legten netto um 7.000 und 11.000 Verträge zu. Diese Zahlen bestätigen den Trend der vergangenen etwa eineinhalb Jahre: Bank und Fonds steigen verhalten, Wohn-Riester legt zu und Versicherungen stagnieren.

Die Marktanteile im Bestand
Seit 2005 ist der Marktanteil der Versicherer von damals 85 auf jetzt etwa 67 Prozent geschrumpft: dies bedeutet einen Rückgang um ein Fünftel. Wohn-Riester, seit 2008 im Angebot, erreicht inzwischen knapp acht Prozent Anteil am gesamten Bestand. Banken verharren bei einem Anteil von gut fünf Prozent. Fonds machen fast 20 Prozent der bestehenden Riester-Verträge aus. 

Wenn man die Zuwächse aller Riester-Verträge betrachtet, dann haben die nach dem von 1998 bis 2002 wirkenden Arbeitsminister Walter Riester benannten Förderprodukte ihren Zenit erreicht. Nach einem steilen Anstieg der Abschlüsse bis 2011, jährlich ein bis zwei Millionen Neuverträge, flachte der Zuwachs seitdem ab. Seit 2011 mit 15,3 Millionen Verträgen bis zu den jetzt gezählten 16 Millionen Stück mühen sich die Anbieter des Produktes jetzt seit drei Jahren, um die nächste siebenstellige Steigerung.

Zu wenige Verträge
Im Hinblick auf die politischen Ziele zur Zeit der Riester-Gesetzgebung im Jahr 2001, nach denen möglichst jeder Rentenversicherte einen Fördervertrag haben sollte, ergibt sich ein ganz anderer „Marktanteil“. 16 Millionen Verträge und nach jüngsten Angaben der Deutschen Rentenversicherung gut 35 Millionen aktiv Versicherte zeigen, das nur etwa 45 Prozent der Zielgruppe einen Riester-Vertrag haben. Davon sollen nach Angaben des Arbeitsministeriums etwa drei Millionen Verträge ruhen. Genauere Zahlen über die nicht besparten Förderverträge liegen nicht vor. 

Sicher ist aber, dass bei 100 Prozent der Rentenversicherten mit der Riester-Rente auch die Riester-Kürzungen eintraten. Seit 2001 tut die Gesetzliche Rentenversicherung rechnerisch so, als würde jeder Versicherte mit vier Prozent seines Einkommens jährlich riestern.

Foto: Walter Riester, © procontra