Holzwegweiser Finanzberatung

Berater Top News von Markus Rieksmeier

Der „Wegweiser Finanzberatung“ soll die Verbraucher durch den Finanzdschungel leiten. Aber als Scout für den Kunden scheint nur der Honorarberater geeignet sein, glaubt man dem Infoportal. Die Maklergenossenschaft Vema widerspricht.

Das Portal ging Ende August online und will über Finanzberatung, Beratertypen und Finanzprodukte informieren. Der Termin passt zum Honoraranlageberatungsgesetz, mit dem am 1. August ein weiterer Berufsstand für die Finanzberatung geschaffen wurde. Immerhin kann, muss der Verbraucher jetzt bei der Kapitalanlage zwischen Finanzanlagevermittler, Honorarfinanzanlageberater, Honoraranlageberater und Honorarberater unterscheiden. 

Dieser Begriffswust ist den Machern von „Wegweiser Finanzberatung“ nicht anzulasten, das war der Gesetzgeber. Aber in seinem Vergleich der Beratertypen gibt es beim „Wegweiser“ nur den „Honorarberater“, für Makler Philip Wenzel aus Kemnath „eine Chimäre, ein nicht definiertes Zwitterwesen“, mit dem sich der „Wegweiser“ nicht abgibt. Andererseits differenziert das für Verbraucher bestimmte Portal bei den Versicherungsvermittlern wesentlich genauer.

„Honorarberater pauschal die allerbeste Wahl“
Neben dem „Honorarberater“ gibt es dort die Kategorien „Versicherungsmakler“ und den „Vertreter“; letzterer mit drei weiteren Unterteilungen: Ausschließlichkeitsvertreter, Mehrfachagent und Strukturvertrieb. Banker kommen auch vor. Dass Bankberatung heutzutage auf zweierlei Wegen erfolgt, am Schalter und im mobilen Provisonsvertrieb, wird beim „Wegweiser Finanzberatung“ auch nicht unterschieden. 

Hierzu meldet sich die Maklergenossenschaft Vema zu Wort, die sich ebenfalls mit dem „Wegweiser“ befasst hat: „Wer sich die Profile vergleichen lässt, kommt ziemlich schnell zu dem Schluss: Honorarberater sind pauschal die allerbeste Wahl“, schreibt die Vema in einer Pressemitteilung - und mit einer guten Portion Zynismus. 

Mindestqualifikation haben nur Banker?
Glaubt der Verbraucher dem „Wegweiser“, dann seien, so gibt es die Vema in ihrer Mitteilung wieder, nur die Honorarberater „persönlich und finanziell unabhängig, beraten die volle Produktpalette und sind einigermaßen qualifiziert – lediglich ihre Erreichbarkeit lasse derzeit noch zu wünschen übrig“. So fasst die Vema ihre Wahrnehmung zusammen. Mit Recht, denn in einer Grafik des „Wegweisers“ werden die Eigenschaften der Beratertypen mit Halb- und Vollmonden bepunktet. 

Michael Franke, Chef des Ratinghauses Franke und Bornberg in Hannover, erinnert die Grafik an einen "Mondkalender". Ernsthafter sagt Franke, bei der Beurteilung von Unabhängigkeit "landen wir immer wieder bei der Frage der persönlichen Integrität". 
Bemerkenswert: Eine „Mindestqualifikation“ haben beim "Wegweiser" nur Bankberater! Also ausgerechnet jene, die als Angestellte der Bank gar keine Sachkunde nachweisen müssen. 

Warnendes Rot
„Die Botschaft wird weiter unterstrichen mit der Farbgebung: ein vertrauenerweckendes Grün für Honorarberater und ein warnendes Rot für Versicherungsvertreter“, ergänzt die Vema in ihrer Mitteilung. Tatsächlich erinnert die Farbgebung an die wiederholt propagierte „Verbraucherampel“ für Finanzprodukte. Makler und Banker erhalten Blautöne. Bisher wurde der Status „Unabhängigkeit“ des Maklers an seiner Rechtsstellung als Sachwalter des Kunden festgemacht. 

Unabhängig sind nur noch Honorarkassierer
Die neuen EU-Richtlinien wie Mifid II und die kommende Vermittlerrichtlinie II definieren Unabhängigkeit künftig anders: an der Trennung von Vergütung und Produkt. Wer Provisionen kassiert, ist bald formal nicht mehr unabhängig. Und so bepunktet der „Wegweiser Finanzberatung“ den Honorarberater mit einem Vollmond. Prädikat „finanziell unabhängig“. Immerhin: einen Halbmond erhält der Banker. Bekommen die Banken und ihre Verkäufer keine Provision? Versicherungsvermittler aller Art sind dem Wegweiser nach nicht finanziell unabhängig. Übrigens vermitteln auch Versicherungsberater Produkte. Gegen Honorar. Aber diesen Weg weist der „Wegweiser“ nicht.

„Pauschale Diffamierung“
Vema-Vertriebshef Andreas Brunner kritisiert in seiner Mitteilung „die Vorstellungen in der Politik und beim Verbraucherschutz“ insgesamt: „Das ist die pauschale Diffamierung eines traditionellen und ehrbaren Berufsstandes“. Hinter der Verbraucherschutz-Kritik an Versicherungsvertretern vermutet Brunner „ein Eigeninteresse der Verbraucherzentralen, welche als Geschäftsmodell die Beratung ohne öffentlich-rechtlichen Sachkundenachweis, Vermittlung und Haftung betreiben“ und ergänzt: „Im Übrigen könnten Firmenkunden auf Wunsch schon lange auch Makler gegen Honorar beauftragen.“

Foto: Screenshot Webseite www.wegweiser-finanzberatung.de, © Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz

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