Friendsurance will Bestandskunden einsammeln

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Neukunden des Versicherungsportals Friendsurance können jetzt ohne Versichererwechsel einen Schadenfreiheitsrabatt erhalten. Ein Wechsel findet dennoch statt: neuer Bestandsmakler wird Friendsurance. procontra hat nachgefragt.

Vor drei Jahren hat Friendsurance das Facebook-Freundesprinzip auf Versicherungen übertragen. Bei Sachversicherungen werfen kleine Gruppen von bis zu 16 Personen die Beitragsersparnis ihrer Selbstbeteiligungs-Tarife von Hausrat- oder Haftpflichtverträgen in einen Topf. Bleiben alle Beteiligten schadenfrei, lockt im Folgejahr eine Beitragserstattung. Kleinschäden werden ab dem ersten Euro aus dem von Friendsurance verwalteten Gruppentopf bezahlt; in diesem Falle allerdings zulasten der Beitragserstattung der kleinen Risikogruppe.


  vereinfachte Darstellung des Friendsurance-Prinzips (zur Vergrößerung bitte anklicken),
  Quelle: Friendsurance

Nur wenn zum Beispiel innerhalb einer Hausrat-Gruppe zu viele Schäden eintreten, reicht der Spartopf nicht aus. Trotzdem müssen die Mitglieder in diesem unwahrscheinlichen, aber möglichen Fall kein Geld nachschießen. Friendsurance hat dieses Restrisiko über die Hamburger Hübener Versicherungs-AG gedeckt. Diese „füllt“ die Fehlbeträge bis zur Selbstbeteiligung auf. Die Schadenleistungen oberhalb der Selbstbeteiligung trägt ganz normal der eigentliche Versicherer. 

Rückzahlungs-Upgrade
Durften zu Anfang nur echte Freunde und Bekannte ins private Risikonetzwerk eingeladen werden, so konnte man später auch bei Friendsurance „Freundschafts-“Empfehlungen folgen. Dieses Prinzip ähnelt den Zweck- oder Interessensfreundschaften auf Facebook. Der Rest ist Gruppendynamik: Freunde betrügen sich nicht; etwa so lässt sich die Idee hinter dem Friendsurance-Prinzip formulieren. Bis zum Jahresende will das Unternehmen mit seinem Freundschaftsmodell mehr als 100.000 Kunden einsammeln, sagte Geschäftsführer Tim Kunde in der vergangenen Woche gegenüber der Presse.  

Damit diese Zahl erreicht wird, hat das Unternehmen neuen Kunden den Zugang erleichtert. Sie brauchen ihre Versicherung nicht mehr zu kündigen, sondern können einen Bestandsvertrag auf Friendsurance, die als Versicherungsmakler registriert sind, übertragen. Das so genannte „Rückzahlungs-Upgrade“. Wie und mit welchen Versicherern das funktioniert, darüber hat procontra mit Friendsurance-Geschäftsführer Tim Kunde gesprochen.

procontra: Herr Kunde, mit welchen größeren Versicherern stehen sie zur Übernahme bestehender Verträge in Kooperation?

Tim Kunde: Aktuell kooperieren wir unter anderem mit Arag, Ergo und R+V. Eine Auflistung ist auf unserer Website zu finden.

procontra: Wenn ein Kunde mit seinem Vertrag zu Friendsurance kommt, wie wird dann der Selbstbehalt (SB) versicherungstechnisch eingerichtet?

Kunde: Wenn ein Kunde mit einem bestehenden Vertrag zu Friendsurance kommt, wird ein SB in die Police aufgenommen oder der bestehende SB erhöht. Daraus ergibt sich eine Beitragsersparnis, die in einen Gruppentopf fließt, welchen sich der Versicherte mit anderen Versicherten auf Friendsurance teilt. Aus diesem Topf wird im Schadensfall der erhöhte SB getragen, so dass dem Versicherten niemals zusätzlichen Kosten entstehen. Sollte der Gruppentopf leer sein, springt eine Spezialversicherung ein. Das Geld, was am Ende des Jahres noch im Topf übrig ist – dies sind bis zu 40 Prozent der ursprünglichen Beiträge – wird an den Versicherten ausgeschüttet.

procontra: Stichwort Kleinschäden: Zu dem Gruppentopf, der bei Friendsurance verwaltet wird, wittern Juristen einen „erlaubnispflichtigen Betrieb eines Versicherungsunternehmens“. Wie ist das geregelt?

Kunde: Die Selbstbehaltsrisiken werden grundsätzlich von einem Spezialversicherer abgedeckt, soweit diese Risiken nicht in von der Gruppe des Versicherten getragen werden. Dieser Spezialversicherer hat eine Versicherungslizenz. Für Selbstbehaltsrisiken, die in der Gruppe getragen werden, braucht es nach der Auffassung unserer Rechtsanwälte und nach Auffassung des Regulierers keine Versicherungslizenz.

procontra: Wie ist der Umgang mit dem Geld in den Gruppentöpfen abgesichert, reicht dazu Ihre  Inkassovollmacht?

Kunde: Wenn wir Kundenbeiträge einziehen, haben wir eine Inkassovollmacht. Dieser Geldverkehr wird auf gesonderten, von unserem operativen Geschäft getrennten Konten abgewickelt. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young haben den Jahresabschluss 2013 geprüft und diese Gelder als Fremdgelder bezeichnet. Nach Auffassung unserer Rechtsanwälte wäre es nicht nötig, diese Fremdgelder mit einer Vertrauensschaden-Versicherung nach § 12 VersVermV abzusichern. Wir haben uns dennoch entschieden, dies im Sinne unserer Kunden zu tun.

Foto: Tim Kunde, © Friendsurance

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