GDV-Kodex: Beim Ehrenwort genommen

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier


Angemessenheitsprüfung
Dieser Schluss lässt sich aus den offiziellen „Prüfhinweisen“ des IDW-Instituts der Wirtschaftsprüfer wörtlich ableiten: Der Prüfungshinweis „befasst sich ausschließlich mit Angelegenheiten der Angemessenheitsprüfung“. Für eine Wirksamkeitsprüfung, also einen echten Soll-Ist-Vergleich, gibt es noch gar kein Prüfverfahren – weil sich „die Prüfstandards gerade erst herauskris-tallisieren“, sagt dazu ein Sprecher des Axa-Konzerns. Wie weitere zehn von procontra befragte Versicherer wird auch die Axa nur die einfache Angemessenheitsprüfung durchführen lassen.

Bei diesem Verfahren wird im Grunde nur testiert, dass alle Regelungen des Kodex überall im Schrifttum des Versicherers abgedruckt sind. Papier ist geduldig. Auf die bisher nicht mögliche Wirksamkeitsprüfung angesprochen, verwies eine Sprecherin des GDV lediglich auf das IDW-Institut und ergänzte: „Der entsprechende Prüfbericht wird veröffentlicht.“ Nach Angaben der befragten Versicherer ist damit erstmals ab Frühjahr 2015 zu rechnen. Von diesen abgespeckten Testaten hat der Bürger nichts – nicht mal einen Nachweis über die Wirksamkeit des Ehrenworts seines Versicherers.



Beschwerden nicht vorgesehen
Ein Mangel des Kodex ist auch die fehlende Beschwerdeinstanz. Wo könnte der Bürger einen Kodex-Verstoß anprangern? Beim Wirtschaftsprüfer direkt, denn dieser muss „auch eine solche Eingabe“ berücksichtigen, bestätigte Thomas Kagermeier von der KPMG-Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft kürzlich im procontra-Gespräch. Auch der IGVM-Maklerverband kritisiert die fehlende Beschwerdestelle. IGVM-Vorstand Matthias Glesel nennt den Kodex einen „enteignungsgleichen Eingriff“ in die Gewerbefreiheit.

Glesels Verband lehnt den GDV-Kodex ab und hat im April kurzerhand einen eigenen Kodex präsentiert, den zum Beispiel die Ideal-Versicherung akzeptiert: „Wenn uns eine IGVM-Mitgliedschaft bekannt ist, wird deren Kodex akzeptiert“, bestätigte ein Sprecher.

Ins Rollen kamen erste Maklerproteste im Februar, als Makler Matthias Helberg innerhalb weniger Tage zwei gegensätzliche Schreiben der Allianz auf den Tisch flatterten: ein Courtagenachtrag mit einer Art Kodex-Verpflichtung und eine Bonusvereinbarung für LV-Umsatz. Letztere ist laut Kodex nicht mehr statthaft.

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