GDV-Kodex: Beim Ehrenwort genommen

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Wirtschaftsprüfer sollen der Assekuranz Brief und Siegel darauf geben, dass sie den Verhaltenskodex auch praktiziert. Doch bislang wird nur die Angemessenheit und weniger die Wirksamkeit geprüft.

Eigentlich wollte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit seinem „verschärften“ Vertriebskodex deutlich machen, dass ihm „gute, faire Beratung ernst ist“, wie GDV-Präsident Alexander Erdland vergangenes Jahr betonte.

Seitdem konnten Versicherer dem Kodex beitreten, der im Grunde eine Art Ehrenwort-Erklärung gegenüber den Kunden ist, längst geltende Gesetze zu achten. Vor allem sollen die Versicherer ihre Vertriebe auf Einhaltung ihrer umfassenden Informationspflichten einschwören.

Neu ist eine Verpflichtung der Assekuranz zu klaren, verständlichen Produkten. Vermittler sollen sich regelmäßig fortbilden und hierüber Nachweise erbringen. Ferner sollen die Versicherer die gute Unternehmensführung (Compliance) weitergestalten, vor allem Korruption unterbinden.

Um die Unabhängigkeit des Maklers zu wahren, sollen umsatzabhängige Provisionen nicht mehr statthaft sein. Zwei Jahre nach Beitritt sollen die Versicherer mit einem Wirtschaftsprüfer-Testat ihre Kodex-Treue nachweisen. Doch daran hapert es bislang erheblich, wie procontra recherchierte.

Denn die Prüfung auf Einhaltung des Kodex „kann sich auf die Angemessenheit oder auf die Wirksamkeit beziehen“. Geprüft werde, ob der Versicherer den Kodex „in seine eigenen Vorschriften übernommen hat und diese – im Falle der Wirksamkeitsprüfung – auch praktiziert“.

Das bedeutet logisch und den GDV beim Wort genommen: Ohne Wirksamkeitsprüfung „praktiziert“ der Versicherer den Kodex nicht! Denn eine formelle Wirksamkeitsprüfung ist derzeit noch gar nicht möglich.

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Illustration: Roman Kulon

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