Die Hemmschwelle überwinden

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Niemand denkt gern darüber nach, im Alter als Pflegefall auf Hilfe angewiesen zu sein. Die innovativen biometrischen Produktkonzepte mit Pflegebausteinen sollten Vermittler daher geschickt ansprechen.

2,5 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland auf Pflege angewiesen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln rechnet in verschiedenen Szenarien mit einem Anstieg dieser Zahl auf 3,5 bis 4,2 Millionen im Jahr 2050. Selbst wenn die Pflegekosten für jeden einzelnen Betroffenen nicht steigen, klettern die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung allein aufgrund der Bevölkerungsalterung bis 2050 auf 33,7 bis 37,9 Milliarden Euro. Deutschland respektive die gesetzliche Pflegeversicherung stehen vor einem großen Problem.

Der derzeit in der Politik diskutierte Vorsorge-Fonds dürfte keine nachhaltige Lösung sein. „Auch die geplante Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung in zwei Schritten auf 2,55 Prozent vermag die Finanzierungslücke nicht zu schließen“, weiß Susanna Kochskämper, Referentin für öffentliche Haushalte und soziale Sicherung beim IW. Im Jahr 2050 läge die Lücke bei 11,5 bis 15,7 Milliarden Euro – trotz Beitragserhöhung.

Eine private Vorsorge für das Pflegerisiko ist daher unerlässlich. Eine Steilvorlage für Versicherungsvermittler, die sie bisher allerdings nicht auf breiter Front nutzen können. Denn das Thema Pflege ist vielerorts ein größeres Tabu als der Tod. „Risikolebensversicherungen und Sterbegelder lassen sich einfacher verkaufen als Pflegeversicherungen“, sagt Hendric Gratias, Spezialist für biometrische Risiken. „Über den Eintritt des Pflegefalls wollen viele nicht nachdenken und verdrängen das Thema, auch wenn ihr Makler es anspricht.“

Hinzu kommt ein gewisser Geiz. Jeder vierte Deutsche ist laut einer repräsentativen Umfrage des Vermögensverwalters Packenius, Mademann und Partner nicht bereit, Geld in eine private Pflegeversicherung zu investieren. Mehr als 100 Euro würden nur 6 Prozent aufbringen. Da wundert es nicht, wenn nur ein Bruchteil (in der genannten Umfrage sind es 23 Prozent) finanzielle Rücklagen für den Pflegefall bildet.

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