Bundesländer greifen Häuslebauern in die Tasche

Sachwerte von Stefan Terliesner

Auch Hessen und Saarland wollen dieses Jahr noch die Grunderwerbsteuer anheben. Finanzierungskosten steigen.

Wohneigentum ist in den meisten Regionen noch erschwinglich – trotz steigender Immobilienpreise. Möglich ist dies nicht zuletzt durch das historisch niedrige Zinsniveau. Steigende Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer erschweren jedoch Interessenten die Eigentumsbildung und wirken investitionshemmend. Dies berichtet der Finanzdienstleister Dr. Klein in einer Pressemitteilung.
Für den Vorstandssprecher der Gesellschaft, Stephan Gawarecki, „ist der Erwerb von Wohneigentum wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge.“ Allerdings gebe es Widersprüche auf Seiten des Staates. „So bietet der Staat auf der einen Seite Anreize für Investitionen in Wohneigentum in Form von vergünstigten KfW-Programmen oder Wohn-Riester-Angeboten. Auf der anderen Seite haben in den letzten Monaten einige Bundesländer die Grunderwerbsteuer erhöht. Dadurch erhöhen die Länder die finanziellen Hürden beim Immobilienerwerb“, wird Gawarecki in der Pressemitteilung zitiert.

Steuer treibt Mieten in die Höhe
Ein bereits im Jahr 2012 im Auftrag der Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) erstelltes Gutachten zeige, dass der Steuerwettlauf der Länder vor allem zulasten junger Familien ausgetragen wird. Und das, obwohl die Städte und Gemeinden gerade auf deren Zuzug angewiesen seien. In der Regel seien es weniger Singles und Paare ohne Kinder als vielmehr junge Familien, die sich für den Erwerb einer Wohnimmobilie interessieren. „Außerdem treibt das natürlich auch die Mieten in die Höhe“, erläutert Gawarecki weiter. „Und das führt dann zum Ruf nach einer staatlichen Mietpreisbremse.“

Die Grunderwerbsteuer werde beim Erwerb von unbebauten oder bebauten Grundstücken, von Gebäuden auf fremdem Grund (z. B. Ferienhäuser auf Pachtgelände) und von grundstücksgleichen Rechten wie Sondernutzungsrechten und Erbbaurechten erhoben. Ausnahmen von der Besteuerung erfolgen laut Dr. Klein nur bei Erbschaften, Schenkungen oder Erwerbsvorgängen zwischen Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern oder Personen, die in gerader Linie verwandt sind.

Länder nutzen Niedrigzinsphase
Wie der Mitteilung weiter zu entnehmen ist, lag zwischen 1998 und August 2006 die Grunderwerbsteuer bundesweit bei einem Einheitssatz von 3,5 Prozent des Kaufpreises. Seit September 2006 dürften die Bundesländer den Steuersatz selbst festlegen. Allein Bayern und Sachsen hätten ihn bei 3,5 Prozent belassen. In Berlin, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei die Grunderwerbsteuer zum 1. Januar 2014 – zum Teil erneut – angehoben worden. Schleswig-Holstein sei aktuell mit 6,5 Prozent Spitzenreiter. Seit August gilt in Hessen ein von 5,0 Prozent auf 6,0 Prozent erhöhter Satz. Das Saarland will die Steuer ab dem 1. Januar 2015 von 5,5 Prozent ebenfalls auf den „Spitzensteuersatz“ von 6,5 Prozent anheben.

Weil Bayern bisher die Grunderwerbsteuer nicht erhöht hat, Schleswig-Holstein aber kräftig, ergebe sich eine große Spanne bei diesen Kosten für Häuslebauer. Gawarecki fragt: „Warum müssen wir in Lübeck gut 85 Prozent mehr Grunderwerbssteuer zahlen als in Passau?“ Weiter moniert der Vorstandssprecher: „Und mit dem reinen Steueraufschlag ist es ja noch nicht getan! Die Grunderwerbssteuern zählen zu den Nebenkosten, die bei einer Baufinanzierung in der Regel aus dem angesparten Eigenkapital beglichen werden.“

Darlehenssumme steigt
Könnten Häuslebauer die Erhöhung nicht mehr aus ihren Rücklagen bestreiten, müssten sie die Darlehenssumme erhöhen. „Somit erhöhen sich die Gesamtkosten des Darlehens bis zur vollständigen Rückzahlung und, je nachdem, bei welcher Bank Sie anfragen, auch der Anteil der Finanzierung am Kaufpreis – und damit die Zinsen.“ Gawarecki warnt: „Je nach Konstellation kann das einen Zinsaufschlag von bis zu zehn Prozent bedeuten – statt beispielsweise 2,0 zahle ich dann also 2,2 Prozent. Klingt erst mal nicht nach viel, aber über die Darlehenslaufzeit von 10 oder 15 Jahren kommen da schnell ein paar zusätzliche Tausender zusammen.“

Foto: © Christian Stoll - Fotolia.com

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