Kosten bei Riester und Rürup begrenzen

Versicherungen Top News von Markus Rieksmeier

Verbraucher sollen die Kosten zertifizierter Produkte besser vergleichen können. Hierzu empfiehlt das ITA-Institut Obergrenzen für Einzelkosten und den Ausweis von „Effektivkosen“. Anbieter sollen bei Verstößen gegen Kostenregeln haften.

Das Berliner Institut für Transparenz (ITA) hat ein für das Bundesfinanzministerium erstelltes „Forschungsgutachten“ zur „Kostenbegrenzung für zertifizierte Altersvorsorge- und Basisrentenverträge“ veröffentlicht. Im Grunde soll damit fachliches Handwerkszeug geschaffen werden, um die Frage der tatsächlichen Kosten vor allem von Riester-Verträgen zu klären. Gerade um diese Förderrente des kleinen Mannes gärt der Kostenstreit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern.

Als Ergebnis seiner Feststellungen spricht sich das ITA für eine Verstärkung der Transparenzvorgaben aus. Am einfachsten wären Kostenangaben in Form der „Effektivkosten“, auch als „Reduction in Yield“ bekannt. Mit diesem Vehikel wurde jüngst im verabschiedeten LVRG der Ausweis von Provisionen abgewendet. In Eigentlichen hat das LVRG in diesem Punkt das nun veröffentlichte Gutachtend es ITA lediglich vorweggenommen.

Einzelkostendeckel
Für den Fall, dass allgemeiner gehaltene Transparenzvorgaben nicht wirken, müsste der Gesetzgeber laut ITA entweder Obergrenzen für sämtliche Einzelkosten festlegen oder die Effektivkosten kombiniert mit bestimmten Einzelkosten begrenzen. Vor allem „direkte Kosten auf Zulagen sollten ganz untersagt werden“. Das klingt logisch, denn mit Letzterem würden die Versicherer wiederholte Vorwürfe entkräften können, die Industrie wolle sich an staatlichen Zulagen bereichern. Letztlich entscheidet aber nicht die Kostenart, sondern ihre absolute Höhe über die Rendite.

Aus Sicht des ITA sollten in den Produkt-Infoblättern „wichtige Punkte ergänzt“ werden. Generell: Banken und Bausparkassen sollten realistische Zinsmargen ausweisen und diese auch innerhalb der Gesamtkostenquote berücksichtigen. ITA-Geschäftsführer Dr. Mark Ortmann illustriert gegenüber der Presse Verbrauchereffekte von Kosten oder Zinsen: „Es macht keinen Unterschied, ob bei einem Fondssparplan zum Beispiel ein Prozent Gebühren auf das Guthaben erhoben werden oder ob eine Bank dem Kunden ein Prozent weniger Zinsen gutschreibt“.

Vollkostendeckel und Haftung
Weiter schlägt das ITA vor, Lebensversicherer sollten „ihre kollektiven Kapitalanlagekosten ausweisen“. Der Katalog gesetzlich zulässiger Kostenarten sollte sehr eng ausgelegt werden“. Basis-Renten sollen demnach nur noch dann Zertifikate erhalten, „wenn eine jederzeitige Übertragung des Guthabens auf einen anderen Basis-Rentenvertrag vorgesehen ist“. Derart geschaffene Kostenklarheit und Transparenz der Regeln soll das schaffen, was das ITA als „Marktgleichgewicht“ bezeichnet. „Sollten die Kosten dennoch nicht sinken, erscheint eine Begrenzung angemessen“, schreibt das ITA. Dies könne sich auf einzelne Postenpositionen, aber auch auf eine absolute Obergrenze bei den Effektivkosten.

Neben Kostenregeln empfiehlt das ITA klare Sanktionen: „Verstöße gegen Kostenobergrenzen sollten Zahlungsansprüche des betroffenen Verbrauchers, aber auch Geldbußen auslösen“.

ITA-Vorschläge kurz zusammengefasst
Produktkosten sollen generell nach Ansparphase und Auszahlungs- oder Darlehensphase unterschieden werden. Je Produkt sollten höchstens 15 Euro laufende Stückkosten und 2 Prozent Kosten auf das Guthaben beziehungsweise die Zinsmarge zulässig sein. Effektivkosten, so diese gedeckelt würden, sollen in der in der Ansparphase nach Chancen-Risiko-Klassen gestaffelt sein. Etwa 1,2 bis 3,0 Prozent jährlich je nach Anlageklasse. Abschluss- und Vertriebskosten sollten auf 4 Prozent der vereinbarten Beitragssumme (ohne Zulagen); laufende Kosten auf Riester-Eigenbeiträge auf 6,5 Prozent. Direkte Kosten auf Zulagen sollten vollständig verboten werden. „Zulagen sind quasi Geschenke des Staates zur Verbesserung der Altersvorsorge. Darauf sollten Anbieter keine direkten Kosten erheben“, ist Ortmann überzeugt.

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